München/Ebersberg – Aufregung beim Bayerischen Jagdverband: Gegen den langjährigen Verbandspräsidenten und ehemaligen CSU-Landtagsabgeordneten Jürgen Vocke ist Strafanzeige wegen des Verdachts auf Untreue und Unterschlagung gestellt worden. Und zwar aus den eigenen Reihen. Zugleich droht dem Verband wegen mutmaßlicher Unklarheiten in der Haushaltsführung sogar der Verlust der Gemeinnützigkeit, wie die „Augsburger Allgemeine“ berichtet. Die Pressestelle des Bayerischen Jagdverbands wollte sich gestern zu den Vorwürfen nicht äußern: „Wir kennen den Inhalt der Strafanzeige nicht und können daher keine Stellungnahme abgeben.“
Offener spricht indes der Vorsitzende des BJV-Kreisgruppe Memmingen, Andreas Ruepp. Er ist Beisitzer im Präsidium des BJV und hat die Strafanzeige gestellt und den sofortigen Rücktritt des 76-jährigen Vocke gefordert. Bereits auf dem Landesjägertag im April in Passau gab es Ärger: Die neue Schatzmeisterin Mechtild Maurer, eine Steuerberaterin, meldete erhebliche Zweifel an der ordnungsgemäßen Verwendung der Verbandsgelder an. Daraufhin wurde ein Wirtschaftsprüfer mit einer Untersuchung beauftragt. Doch ihm wurden von Vocke nicht die notwendigen Informationen gegeben. So gibt es Fragen nach der Beschäftigung einer Vocke-Tochter bei der BJV-Service-GmbH, aber auch um die Nutzung des Dienstwagens des Präsidenten. Wie es heißt, ist eine „verdeckte Gewinnausschüttung“ nicht auszuschließen. Zudem geht es laut „Augsburger Allgemeine“ um die Frage, ob die Vergütung des Präsidenten nicht doch lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig war.
Der Wirtschaftsprüfer hat jüngst dem Präsidium mitgeteilt, dass im Falle einer Prüfung durch die Finanzverwaltung nicht auszuschließen sei, dass der Jagdverband seine Gemeinnützigkeit verliert.
Angesichts der Vorwürfe zeigten sich Mitglieder des Präsidiums fassungslos. Da Vocke keine Informationen bereitstellte, schritt Präsidiumsmitglied Ruepp, Chef der Polizei am Flughafen Memmingen, zur Tat und erstattete Anzeige.
Bereits vor zehn Jahren sorgte das Finanzgebaren des BJV-Präsidenten für Wirbel. Diskussionen gab es um die private Nutzung seines Dienstwagens und um erhebliche Folgekosten des Umzugs der Geschäftsstelle. Der in Ebersberg lebende Vocke ist seit 25 Jahren Präsident des Jagdverbands und hatte für Anfang 2020 seinen Rückzug aus dem Amt angekündigt. Zu den Vorwürfen will er sich nicht äußern. mm