München – Weidenbuschs Angriff hat eine Vorgeschichte, denn er war früher Beauftragter für staatliche Beteiligungen der Staatsregierung sowie FMG-Aufsichtsrat und galt auch als Kandidat für die Nachfolge von Flughafen-Chef Michael Kerkloh, der Ende dieses Jahres in Ruhestand geht. Im Bewerbungsverfahren schied er aus, Nachfolger wird nun wie berichtet der bisherige Chef des Budapester Flughafens, Jost Lammers.
Seine Kritik habe mit dieser Vorgeschichte aber nichts zu tun, betont Weidenbusch. Es gehe um die Sache. Nach seiner Darstellung hatte es nach der Sicherheitspanne vom 28. Juli 2018 mit 330 annullierten Flügen und einem erneuten Vorfall Mitte Oktober ein Gespräch mit ihm, Finanzminister Albert Füracker und Offiziellen der Flughafen GmbH gegeben, unter anderem Vorstandsmitglied Andrea Gebekken. Er habe, so Weidenbusch zu unserer Zeitung, damals selbst auf Sicherheitslücken aufmerksam gemacht. Unter anderem sei ein Aufzug, den Passagiere eigentlich nur vom ersten Stock ins Erdgeschoss nutzten sollten, auch in umgekehrter Richtung benutzbar gewesen. Der nunmehr dritte Störfall vom Dienstag werfe ein schlechtes Licht auf den Flughafen, so etwas dürfe sich nicht „im Halbjahrestakt“ wiederholen.
Der Flughafen widerspricht dieser Darstellung. „Die geäußerte Kritik ist für uns nicht nachvollziehbar“, heißt es in einer Stellungnahme, die unserer Zeitung vorliegt. Der Zwischenfall am Dienstag sei völlig anders als die Sicherheitspanne vom 28. Juli. Damals war eine Reisende unbemerkt vom Personal der Sicherheitsgesellschaft am Flughafen München (SGM) an der Sicherheitsschleuse vorbei gelaufen. Das sei heute nicht mehr möglich.
Am Dienstag habe der 21-jährige spanische Student, der aus Bangkok kam, „widerrechtlich eine Notausgangstür geöffnet“. Er sei so „in einen Terminalbereich vorgedrungen, der Passagieren vorbehalten ist, die nach EU-Standards kontrolliert worden sind“. Die Räumung des Terminals 2 und Teilen des Terminals 1 seien „unvermeidbare Polizeimaßnahmen“ gewesen. Ein Sicherheitsproblem indes gebe es nicht. Wörtlich erklärt der Flughafen: „Notausgangstüren sind aber keine Sicherheitslücke, denn im Notfall muss sichergestellt sein, dass sie geöffnet werden können. Dass sie regelwidrig von Passagieren geöffnet werden, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit ausschließen.“
Gestern früh um 5 Uhr lief der Flugbetrieb wieder normal an. Es gab weder Annullierungen noch Verspätungen, sagte ein Sprecher. Allein die Lufthansa hatte 1000 Reisende in Hotels einquartieren müssen. Schadenersatzansprüche werden geprüft, außerdem drohen dem Spanier strafrechtliche Konsequenzen wegen widerrechtlicher Benutzung der Notfalltür.
Eine gute Nachricht für die Passagiere hatte Flughafen-Sprecher Robert Wilhelm aber auch: Der Flughafen bekommt das Chaos mit den Gepäckstücken in den Griff. Am Dienstag gab es das Problem, dass viele Passagiere schon ihr Gepäck aufgegeben hatten, ehe dann ihr Flug annulliert und sie aufgefordert wurden, das Terminal zu verlassen. 2500 Koffer seien liegen geblieben. Bis gestern Abend waren schon 80 Prozent hiervon wieder richtig einsortiert und auf dem Weg zu ihren Besitzern. dw