Inning – Ein Anwesen mitten im Grünen, umgeben von dörflicher Idylle und frischer Luft – so stellen sich viele Großstädter das Leben auf dem Land vor. Als Wolfgang und Ruth-Maria Jürgens von Dresden ins beschauliche Inning im Landkreis Starnberg zogen, rechneten die beiden Senioren daher nicht mit dem Güllegeruch, der dort ab und zu durchs Dorf weht.
„Wir frühstücken morgens um kurz nach 7 Uhr und es stinkt so, dass wir nicht einmal richtig Luft holen können“, entrüstet sich Wolfgang Jürgens. Der 80-Jährige entschied sich zwar dazu, mit seiner Frau am Ortsrand neben Feldern zu wohnen, will die Geruchsbelästigung durch die Gülle jedoch nicht akzeptieren.
Als der 40-jährige Inninger Landwirt Matthias Ring am Dienstagvormittag mit seinem Traktor inklusive Güllefass zu einem Feld neben dem Anwesen des Ehepaars Jürgens fuhr, platzte dem 80-Jährigen der Kragen. Kurzerhand stellte er seine Autos, einen Porsche Cayenne und einen Wrangler-Jeep, mitten auf die Straße und versperrte dem Landwirt bei der Rückfahrt den Weg.
„Es war alles ein bisschen lächerlich“, sagt Ring im Nachhinein. „Ich habe ihm gesagt, er soll seine Autos wegfahren, weil ich keine Zeit für so was habe.“ Da Wolfgang Jürgens dieser Aufforderung nicht nachkam, rief der Landwirt die Polizei. Die Beamten der Inspektion Herrsching versuchten telefonisch zu vermitteln, jedoch ohne Erfolg. Ring musste über einen Umweg zurück zu seinem Hof fahren. „Das hat mich viel Zeit gekostet“, erzählt er. Die Route über die Walchstadter Straße, vorbei am Anwesen der Jürgens, sei nicht nur der kürzeste, sondern wegen gesetzlicher Vorgaben auch der einzig mögliche Weg, betont der Landwirt. Alle Alternativen seien Privatwege, der Gülletransport aber nur auf öffentlichen Straßen erlaubt.
Mit Wolfgang Jürgens habe es bereits mehrmals Probleme gegeben. „Er hat uns schon öfters angezeigt, aber es kommt nichts dabei raus, weil wir wissen, was wir machen dürfen“, sagt der 40-Jährige. Neben dem Transport ausschließlich über öffentliche Straßen besagt die Gülleverordnung, dass die Gülle innerhalb von vier Stunden auf unbestellten Ackern eingearbeitet werden muss. Auch diese Auflage erfüllt Ring. Die Gemeinde Inning und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Pfaffenhofen stehen hinter dem Landwirt. Er verstoße nicht gegen die Vorschriften, heißt es auf Nachfrage. „Ich verstehe nicht, warum er sich so aufregt“, wundert sich Ring über Wolfgang Jürgens.
In diesem Jahr werde er aber ohnehin keine Gülle mehr ausfahren, sagt der 40-Jährige. Deshalb wolle er die Situation auf sich beruhen belassen. Wolfgang Jürgens sieht das anders. „Ich habe Atembeschwerden durch den ganzen Kram“, behauptet er. „Ich bin der Meinung, die verseuchen uns.“ Er wolle sich nun mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen und eine Lösung finden. Ob dieses Zusammentreffen wirklich zu seinen Gunsten ausgeht, bleibt fraglich.