Jagdverband: Nicht nur Vocke im Visier

von Redaktion

München – Die Anfragen häufen sich, doch die Strafanzeige wegen des Verdachts auf Untreue und Unterschlagung gegen Jürgen Vocke, den Präsidenten des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), ist noch nicht bei der Staatsanwaltschaft München I eingegangen. „Seit dem 23. August gibt es schon Nachfragen“, sagt eine Sprecherin. „Doch im System ist sie nicht.“

Andreas Ruepp hat sie am 20. August abgeschickt, per Post. Den Beleg hat er aufbewahrt. Er ist nicht nur der Vorsitzende des Kreisverbandes Memmingen und Präsidiumsmitglied beim BJV, sondern auch Erster Polizeihauptkommissar. „Eine Strafanzeige ist kein Kindergeburtstag“, sagt er. „Man muss sich schon sehr sicher sein, wenn man diesen Schritt macht.“ Andreas Ruepp war sich sicher. Die nötigen Fakten, die einen bereits seit Längerem gehegten Verdacht bestätigen, haben der Bericht der neuen Schatzmeisterin und eines zusätzlich eingeschalteten Wirtschaftsprüfers geliefert. Darin ist von Ungereimtheiten und ungewöhnlichen Belegen die Rede (wir haben berichtet).

Ruepp hat deshalb nicht nur Jürgen Vocke angezeigt, der seit 25 Jahren die Geschicke des Jagdverbandes lenkt, sondern auch den ehemaligen Schatzmeister Wolfgang Schiefer. „Sie sind aus meiner Sicht die Hauptverantwortlichen.“ Für ihn sei mit der Faktenlage eine moralische Grenze überschritten gewesen – zumal Untätigkeit dem Verband geschadet hätte. „Wenn das Finanzamt selbst aktiv wird, droht der Verlust der Gemeinnützigkeit“, sagt Ruepp. „Darum habe ich es selbst zur Anzeige gebracht.“

Jürgen Vocke, dessen Präsidentschaft in sieben Monaten endet, will sich nicht zu der Strafanzeige äußern. Auch der Verband war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Andreas Ruepp hat seine Gründe in einem zweieinhalbseitigen persönlichen Schreiben an Vocke dargelegt – und ihn zum sofortigen Rücktritt aufgefordert. „Ich habe nicht den Eindruck, dass er an einer Aufarbeitung interessiert ist“, sagt er. Und genau die fordern er und einige Präsidiumskollegen. „Wir wollen Licht ins Dunkle bringen, damit wir uns wieder um die wirklich wichtigen Dinge kümmern können.“ KATHRIN BRACK

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