Abensberg – Aus Sicht der Großen Koalition ist auf dem Gillamoos in einem Punkt noch alles in Ordnung: CSU und SPD teilen die beiden größten Bühnen in den Festzelten auf dem Volksfest im niederbayerischen Abensberg traditionell unter sich auf – während sich die AfD abseits des Festgeländes unter freiem Himmel trifft.
Ansonsten aber haben die Wahlen in Sachsen und Brandenburg am Sonntag vieles durcheinandergewirbelt – und sorgen für viel Gesprächsstoff bei den Kundgebungen der Parteien, alle wie immer zeitgleich. Die AfD kann vor Kraft inzwischen kaum mehr laufen, während sich die meisten anderen Parteien am Montag eher in Schadensbegrenzung üben.
Mit den schwersten Job hat vielleicht Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow von der Linken, die sowohl in Sachsen als auch in Brandenburg am Sonntag regelrecht abgestürzt ist – und Ramelow hat seine Landtagswahl in wenigen Wochen noch vor sich. Für ihn und die Linke ist es eine Premiere: Erstmals überhaupt treten sie dieses Jahr in Abensberg auf. Ramelow gibt sich – übrigens dort, wo 2018 noch die AfD auftreten durfte – optimistisch. „Meine Partei ist in Thüringen auf Platz eins“, sagt er. Das gebe ihm Zuversicht und bedeute für die Linke eine andere Ausgangslage als in den anderen beiden Ländern.
Die AfD sieht sich derweil unaufhaltsam auf dem Vormarsch. „Uns gehört die Zukunft“, sagt die intern schwer angeschlagene bayerische AfD-Landtagsfraktionschefin Katrin Ebner-Steiner. „Spätestens seit gestern ist gewiss: Die AfD ist die neue Volkspartei in Deutschland.“
Auf dem Vormarsch sehen sich auch die Freien Wähler. Parteichef Hubert Aiwanger prognostiziert, dass die Partei erst bundesweit in die Länderparlamente einziehen und dann auf der Bundesebene ankommen werde.
Die Berliner Regierungspartner CSU und SPD müssen sich nach den herben Verlusten für Union und Sozialdemokraten am Sonntag neu sortieren. CSU-Chef Markus Söder fordert die SPD auf, sich trotz deren Suche nach neuen Parteivorsitzenden wieder konstruktiver in der Bundesregierung einzubringen. „Da möchte ich jetzt endlich wissen, was Sache ist“, sagt Söder. Er sieht insbesondere die Union nun in einer besonderen Rolle. „Wenn andere schwächer werden, wir bleiben hier und gestalten weiter die Zukunft Bayerns“, verspricht er und betont: „Die Welt wackelt, wir brauchen dafür einen festen Stand.“ Er fordert zudem wieder mehr Mut statt Ängstlichkeit in Deutschland.
Söder und der Juso-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert, diesmal der Hauptredner bei der SPD, greifen insbesondere die AfD scharf an. „Franz Josef Strauß hätte die AfD aufs Messer bekämpft, und genau das machen wir auch“, sagt Söder. Und Kühnert warnt, wenn es mit Schulterzucken hingenommen werde, „dass ordentliche Neo-Nazis in diesem Land wieder für Parlamente kandidieren und gewählt werden“, wenn das mit Schulterzucken zur Kenntnis genommen werde, „weil Nazi in Deutschland immer erst bei Hitlerbart und Gaskammern“ anfange, sei etwas aus dem Lot geraten. Auch Grünen-Landtagsfraktionschefin Katharina Schulze betont: „Ich möchte, dass wir zeigen, dass Bayern ein buntes und vielfältiges Land ist – und dass wir klare Kante gegen rechts zeigen.“ Ansonsten geht es bei den Grünen weniger um die AfD und die Ost-Wahlen als vielmehr um Klimaschutz und andere Themen.
Die Analyse der Wahlen in Sachsen und Brandenburg wird derweil noch einige Zeit weitergehen – allerdings nun anderswo. Das Spektakel auf dem Gillamoos in Abensberg ist nach gut zwei Stunden wieder vorbei. lby