Schönste Aussichten

von Redaktion

Nach dem Ende der juristischen Wirren beginnt nun die Feinplanung für die Zukunft des Gasteigs. Erst im Oktober 2020 soll der neu gewählte Stadtrat wieder mit dem Kulturtempel befasst werden und das endgültige Konzept festzurren. Der Beginn der fünf Jahre währenden Generalsanierung ist für Ende 2021 vorgesehen.

VON KLAUS VICK

München – Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner hatte am Montag mal einen angenehmeren Termin. Im Presseclub München durfte er die Zukunft des Kulturzentrums skizzieren – nachdem lange Zeit nicht feststand, wie es überhaupt weitergehen würde. Wie mehrfach berichtet, hatte die Vergabekammer das Ergebnis des Realisierungswettbewerbs zunächst gekippt. Doch die juristischen Wirren sind laut Wagner ausgestanden. Am 9. Juli habe die Vertragsunterzeichnung mit dem Münchner Architekturbüro Henn stattgefunden. „Es war eine schwere Geburt“, räumte Wagner ein. Man habe im Laufe der Debatte gesehen, „wie politisch“ das Thema Gasteig sei. Nun müsse aus dem Grobkonzept ein feines Destillat gewonnen werden.

Den Siegerentwurf von Henn bezeichnete Wagner als „überzeugend“, sowohl aus der Nutzerperspektive als auch architektonisch. Im Zuge der Sanierung des Kulturzentrums entsteht eine mächtige Glasfassade, die sich zur Stadt hin öffnet. In diese Kulisse wird eine Kulturbühne – eine Art Amphitheater – integriert. Eine symbolische Öffnung im Sinne der Bürger sollen auch ein Dachgarten, der zum Flanieren einlädt sowie ein Dachrestaurant zum Schlemmen, darstellen. Die Aussichtsterrasse ließ Wagner regelrecht ins Schwärmen geraten: Die „Reiseführer vom schönsten Blick über München müssen umgeschrieben werden.“

410 bis 450 Millionen Euro beträgt das Budget für den Umbau, bei dem zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Denn technisch hätte der Gasteig ohnehin generalüberholt werden müssen. Wagner machte gestern noch einmal deutlich, dass ansonsten die Gefahr bestünde, „dass der Betrieb von einem Tag auf den anderen geschlossen wird“. Funktional werden vor allem die Stadtbibliothek und die Volkshochschule profitieren, deren Räume modernisiert und auch vergrößert werden. Insgesamt steigt die Nutzfläche für die Besucher von 86 000 auf 94 000 Quadratmeter. Wagner rechnet mit einer um 30 Prozent höheren Besucherfrequenz. Schon jetzt sind es bis zu 10 000 Menschen pro Tag oder zwei Millionen im Jahr.

Für die Ertüchtigung der Akustik in der Philharmonie wurde der renommierte Planer Yasuhisa Toyota gewonnen, der unter anderem an der Elbphilharmonie in Hamburg mitgearbeitet hat. Toyota zeichnet auch für die Akustik der Interims-Philharmonie in Sendling verantwortlich.

Wie berichtet, zieht der Gasteig von 2021 bis 2026 auf das Stadtwerke-Gelände an der Hans-Preißinger-Straße gegenüber dem Heizkraftwerk Süd. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks wird den Saal, der 1900 Menschen Platz bietet, ebenfalls übergangsweise nutzen – bis der eigene Konzertsaal im Werksviertel fertiggestellt ist. Die Bibliothek wird in die ehemalige Trafohalle ziehen, Volkshochschule und Musikhochschule werden in Neubauten untergebracht. Während der Interimsphase verringert sich die Gasteig-Nutzfläche von 86 000 auf 24 000 Quadratmeter. Die Kosten für das Übergangsquartier in Sendling betragen 90,4 Millionen Euro, wobei sich Wagner durchaus eine kulturelle Folgenutzung vorstellen kann.

Zur Erschließung des Geländes an der Hans-Preißinger Straße wird Wagner zufolge der U-Bahn-Takt zu den Stoßzeiten verstärkt. Die Haltestelle Brudermühlstraße ist fußläufig rund vier Minuten

entfernt. Außerdem mietet der Gasteig ein Parkhaus auf dem Blumen-Großmarkt an. Von dort aus werden Shuttle-Busse bei Konzerten eingesetzt, die Haltestelle liegt direkt vor dem Gelände.

Im Zuge des Generalumbaus an der Rosenheimer Straße wird auch der Zugang von der S-Bahn neu gestaltet. Es sei ein großes Anliegen, „ein offeneres und größeres Entree zu schaffen“, sagte Wagner. Der jetzige Zugang sei dunkel und unattraktiv. Gespräche mit der Bahn liefen. Wagner zufolge kommen 90 Prozent der Gasteig-Besucher mit der S-Bahn.

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