Lindau – Bereits damals hatte er einen guten Riecher. Es war 1989, als Werner Mang nach seiner Professur eine Chefarztstelle ablehnte und sich für eine eigene, kleine Privatklinik in seiner Heimatstadt Lindau entschied. Mittlerweile zählt seine Bodenseeklinik zu den größten Fachkliniken für ästhetische Chirurgie in Deutschland. Jeden Tag steht er dort im OP, oft ist er der Letzte, der das Licht ausmacht. Auch heute, an seinem 70. Geburtstag, wird das so sein. „Ich feiere nicht“, erzählt der Schönheitsarzt.
Seit zehn Jahren gibt es bei Mang schon keine Geburtstagspartys mehr. „Damals, zu meinem 60., kamen noch tausend Gäste. Aber heute fühle ich mich nicht wie 70, sondern eher wie 50, das muss ich nicht feiern.“ Umso mehr freue er sich, dass es an diesem Freitag trotzdem ein großes Fest in Lindau gibt. „Meine Bodenseeklinik wird 30. Da habe ich ein paar Gäste eingeladen.“ Darunter bekannte Gesichter wie Ex-Fußballfunktionär Reiner Calmund, Schauspieler Francis Fulton-Smith und TV-Star Uwe Ochsenknecht.
Denn auch viele Promis zählen zu Mangs Patientenkreis. Vor allem, seit sich Schauspieler Götz George Anfang der 80er-Jahre bei einem Tatort-Dreh in München eine Nasenbein-Trümmerfraktur zuzog. Mang richtete die Verletzung und wurde deutschlandweit bekannt. Mehr als 10 000 Nasen hat er mittlerweile operiert: Unfall-, Tumor- und rekonstruktive Operationen zur Behebung von Atembeschwerden, aber auch klassische Verschönerungen. In einem anderen Geschäftsbereich bewies er ebenfalls seinen guten Riecher: Für den chinesischen Markt entwickelte Mang einen Silikon-Nasenspan, um Nasen nach dem europäischen Modell aufzubauen. Ein Milliardenmarkt, wie der Schönheitschirurg sagt. „Ich bin ein Workaholic. Operieren ist für mich Erholung.“ Ein Leben ohne Arbeit könne er sich nicht vorstellen. „Mein schönster Tod wäre mit 85 im OP.“
Seine Arbeitstage hat er streng durchgetaktet – seit 30 Jahren nach dem gleichen Prinzip: 7.30 Uhr Nasen-OP, 10 Uhr Facelift, danach Fettabsaugen und Body Contouring. „Meine Frau sagt schon lange: Hör auf zu arbeiten und genieße das Leben. Aber die Chirurgie macht mich glücklich und hält mich jung.“ Sein wahres Alter blende er aus. „Altwerden ist nicht schön. Für mich zählt nicht das nummerische Alter, sondern das biologische und meine Ärzte sagen, dass ich biologisch 50 bin.“
Außerdem halte er sich immer noch an bestimmte Regeln. „Schönheitskiller Nummer eins ist Übergewicht. Ich versuche meinen Body-Mass-Index immer auf 23 zu halten. Dann ist es wichtig, immer um 23 Uhr ins Bett zu gehen und sieben Stunden durchzuschlafen. Da regeneriert sich alles, auch Haut und Falten. Außerdem hoffe ich, dass ich die guten Gene meiner Mutti geerbt habe, die mit 94 noch fast faltenfrei war, und ich habe eine positive Lebenseinstellung. Das ist ganz wichtig.“
Den ein oder anderen Schönheits-Eingriff an sich selbst kann sich Mang ebenfalls vorstellen, wenn da nicht diese Angst davor wäre. „Das ist ein Schwachpunkt in meinem Leben. Ich bin ängstlich und Hypochonder“, gibt Mang zu. Wenn er zurückblickt, würde er alles wieder genauso machen. „Ich habe alles erreicht, bin reicher geworden, als ich es mir jemals erträumt habe, und muss mir nichts mehr beweisen.“ Zum Geburtstag habe er nur einen Wunsch: „Gesundheit!“
Außerdem hat er noch einen großen Traum: „Wenn ich in ein paar Jahren nicht mehr so viel operiere, möchte ich an der TU München Architektur studieren, das finde ich cool.“
Auch über die Zukunft seiner Bodenseeklinik hat Mang bereits nachgedacht. Seine 33-jährige Tochter Gloria soll irgendwann im Management sein, seine gut ausgebildeten Ärzte werden die Arbeit im OP übernehmen. „Ich hätte die Klinik für viel Geld an Chinesen verkaufen können, aber mein Lebenswerk soll in der Familie bleiben“, sagt er.