CLAUDIA MÖLLERS
Wie reformfreudig ist die katholische Kirche? In welchen Macht-, Struktur- und Amtsfragen sind Änderungen möglich und bei welchen Themen bleibt sie unerschütterlich? Spannende Fragen, zu denen in diesem Herbst wichtige Weichen gestellt werden.
Das Bekanntwerden und das Ausmaß der Missbrauchsfälle durch Priester überall auf der Welt und die abscheuliche Vertuschungspraxis haben die Glaubwürdigkeit der Kirche derartig erschüttert, dass endlich Konsequenzen gezogen werden müssen: für die Auswahl der Priester, für die Lebensform der Seelsorger, für ein Ende der Ausgrenzung der Frauen und des Machtmonopols der Männer. Die Hoffnungen vieler (Noch-)Kirchenangehöriger ist groß, die Erwartungen allerdings werden schon wieder gedämpft. Ja, man könne über alles reden. Nein, mit der Priesterweihe für Frauen wird es wohl nichts. Vielleicht können bald am fernen Amazonas als Ausnahme verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden.
Für Deutschland, wo die Zahl der Priesterweihen auch drastisch zurückgeht, bedeutet das noch lange nicht, dass es auch hier verheiratete Priester geben wird. Gottes Mühlen mahlen langsam, heißt es. Aber jetzt muss Vollgas gegeben werden, denn die Geduld vieler Katholiken ist längst erschöpft. Papst Franziskus und die Bischöfe sollten die Proteste ernst nehmen, die sich in Gemeinden vor Ort, gerade auch unter den Frauen formieren. Die Zeit ergebnisloser Dialogrunden ist endgültig vorbei. Jetzt müssen Lösungen her. Die Träger der Kerngemeinden werden sich sonst abwenden. Ihr Glaube an Gott braucht keine Institution. Für die Zukunft der Kirche wäre das eine Katastrophe.
Claudia.Moellers@ovb.net