Mit Pfandbox an die Wursttheke

von Redaktion

Ludwig Filser aus Altenstadt führt als erster Metzger in Bayern ein Pfandsystem für Verpackungen ein. Damit will er Plastikmüll sparen. Bei seinen Kunden kommt das gut an, sie investieren gern in die Pfandboxen.

VON KLAUS MERGEL

Altenstadt – Es gibt Dinge, die Metzgermeister Ludwig Filser nicht wurst sind. Etwa wo seine Tiere herkommen: Die Schweine stammen aus einer kleinen Erzeugergemeinschaft in Marktoberdorf im Allgäu, die Rinder – darunter Edelrassen wie Angus oder Limousin – aus der eigenen Aufzucht in Hohenfurch. Sogar das Futter baut die Familie selbst an. Aber ihn beschäftigt auch die Umwelt. „Wir sind eine Branche, in der viel Plastikmüll entsteht“, sagt der 36-Jährige. 3000 Tüten für Fleisch und Wurst und 2000 Becher für Salate verbraucht er im Monat. Nun bietet er als erster Metzger in Bayern seinen Kunden eine Alternative an: mit einem Pfandsystem an Kunststoffbehältern, die hygienisch, hochwertig und vielseitig sind.

Filser ist ein Metzger, der seinen Beruf handwerklich versteht. Er will mit Qualität und Service punkten. Ihm ist klar: In den vergangenen zehn Jahren hat jeder dritte Kollege dichtgemacht – und den Discountern das Feld überlassen. Geschlachtet wird bei ihm zweimal die Woche, gewurstet nach alten Rezepten – ganz in der Tradition des Großvaters, der 1909 mit dem Geschäft in Altenstadt (Kreis Weilheim-Schongau) anfing. Gerade erst wurde seine Qualität wieder bestätigt: Druckfrisch liegt eine Urkunde auf seinem Schreibtisch: „Einer der besten 500 Metzger Deutschlands“, attestiert ihm der „Feinschmecker“. Ein Titel, den die Metzgerei, die Filser mit seiner Frau Barbara führt, seit über zehn Jahren tragen darf.

Wäre da nicht die Verpackung. Den Leberkäs zum Selbstaufbacken bietet er bereits in einer Papier- statt in einer Aluminiumform an. Doch trotzdem gab es noch zu viele Folien und Plastikboxen. Als vor Monaten der Postbote einen technischen Artikel brachte, fragte seine vierjährige Tochter Elisabeth: „Wieso ist das kleine Ding in so einer riesigen Kiste drin?“ Filser begann zu recherchieren, stieß im Februar auf das Mehrwegsystem des hessischen Herstellers Ecobox – ein Kollege hatte das System erfolgreich eingeführt. Das begeisterte ihn sofort – und er bestellte gleich 500 Stück. „Wir müssen da dem Verbraucher unter die Arme greifen“, sagt er.

Seit Anfang September können seine Kunden nun Fleisch, Wurst, Käse und Salate auch in der wiederverwendbaren Box nach Hause nehmen. Die Resonanz: angetan bis begeistert. Um zehn Uhr früh sind meist schon einige Dutzend Boxen weg. „Wir hatten sogar den Brotzeitholer vom Bauhof Schongau dabei“, sagt Filser. „Wir müssen das gar nicht groß erklären. Die Kunden verstehen sofort, worum es geht.“

Die Boxen sind aus medizinischem Kunststoff, weichmacherfrei und spülmaschinenfest. Man kann sie zum Einfrieren nützen, mit einer kleinen Pumpe vakuumieren und oben das Kaufdatum einstellen. Es gibt sie in vier Größen, von 0,5 bis zwei Liter Inhalt. Pfandpreis: zehn bis 15 Euro. „Aber die kriegt der Kunde wieder, wenn es ihm nicht gefällt“, erklärt Filser. Er geht davon aus, dass die Qualität seine Kunden überzeugt. „Ich bin sicher, dass etliche Boxen bei uns überhaupt nicht wieder auftauchen, weil die so hochwertig und vielseitig sind.“

So funktioniert das System: Der Kunde bekommt gegen den Pfandwert die gewünschten Boxen in der Metzgerei. Nach Gebrauch bringt er sie gespült zurück und wirft sie dort in einem Container. Die frische Ware wird im Laden in neue Boxen abgefüllt.

Filser weiß, dass andere Betriebe – darunter Großmetzger – Behälter zum Kauf anbieten. „Aber die dürfen die Theke aus dem sogenannten unsauberen Bereich nicht überschreiten. Das ist eine Grauzone – da steht man mit einem Bein im Gefängnis.“ Das Besteck der Mitarbeiter etwa darf die Behälter nicht berühren. Man darf nichts zurücknehmen, wenn es doch einige Gramm Hackfleisch zu viel waren. Gegen die Pfandboxen haben die Veterinärämter aber nichts einzuwenden: „Wir reinigen sie mit 90 Grad Celsius in der Industriespülmaschine, das ist keimfrei“, sagt Filser.

Nun wird sich zeigen, ob seine Kunden das neue Pfandsystem auf Dauer annehmen. Der Hersteller Ecobox prognostiziert einen Rückgang von Plastikmüll um 70 Prozent. Filser selbst sieht kein großes Risiko. „Auf der Bank zahlt man bald Strafzinsen für sein Geld, da legt man es besser für die Umwelt an.“

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