München – Vor fast genau anderthalb Jahren erlebte Ulrike Scharf eine bittere Überraschung. Die Umweltministerin wurde in die Staatskanzlei zitiert, der neue Hausherr Markus Söder teilte ihr mit, sie aus dem Kabinett zu entfernen. Gerechnet hatte damit kaum einer. „Es ist doch oft so: Wenn sich eine Türe schließt, öffnet sich eine andere“, tröstete sie sich. Es dauerte mit den Türchen – doch jetzt öffnet sich wohl eines.
Am Samstag bewirbt sich die 51-Jährige um den Chefposten bei der Frauen-Union. Es wäre die Rückkehr in die erste Reihe der Landespolitik. Der Landesvorsitz ist selten mit schrillen Tönen verbunden, aber mit einigem Einfluss in der CSU-Spitze. Vor allem in Zeiten, in denen die männerlastige Partei sich Reformen verordnet hat, um mehr Frauen zu gewinnen.
Sicher ist der Posten für die Landtagsabgeordnete aus Erding aber nicht. Auch die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber (43) aus Schweinfurt, ebenfalls eine Umweltpolitikerin, kandidiert bei der Landesversammlung in Veitshöchheim. Eine eindeutige Mehrheit ist bisher nicht erkennbar. Scharf dürfte ihren eigenen Verband hinter sich haben, die Oberbayern stellen gut 70 der 300 Delegierten, dazu zeichnet sich Unterstützung aus Niederbayern und der Oberpfalz ab. Das könnte reichen.
Scharf will mit ihrer Erfahrung in Staatsregierung und Parteivorstand und mit ihrer Präsenz in München für sich werben. Dass sie den Rauswurf aus dem Kabinett ohne Wehgeschrei hinnahm und weiter ein stabiles Verhältnis zu Söder pflegt, könnte ihr dabei helfen. Eine Einarbeitungsfrist gibt es für die neue FU-Chefin jedenfalls nicht: Die CSU steckt mitten in der Reform-Debatte, die Repräsentanz der Frauen ist dabei der umstrittenste Punkt.
Scharf will für eine Ausweitung der Frauenquote in CSU-Ämtern kämpfen: von 40 auf 50 Prozent auf Landes- und Bezirksebene; zudem soll eine 40-Prozent-Quote für die nächsten internen Wahlen (2021) auch auf Kreisebene gelten. Früher sei sie auch gegen eine Quote gewesen, sagt Scharf, habe aber gelernt: „Dieses Instrument brauchen wir. Ohne Quote verändert es sich viel zu langsam. Es führt kein Weg daran vorbei.“
Intern wird zudem heiß diskutiert, ob Mitglieder der Frauen-Union künftig auch der CSU angehören müssen. Diesen Automatismus hat nur die CDU. Der CSU-Spitze wäre das sehr recht, der Frauenanteil in der Partei (21 Prozent) würde hochschnellen. Scharf verlangt aber günstigere Konditionen beim Mitgliedsbeitrag und eine echte Wahlmöglichkeit. Bestandsmitglieder sollen gefragt werden, Neuzugänge sich dagegen entscheiden können.
Auch die scheidende Landeschefin Angelika Niebler sagt, die FU müsse sich in der Frage bewegen, dürfe die Entscheidung aber nicht übers Knie brechen. Eine Wahlempfehlung gibt sie nicht ab, zeigt sich aber erfreut: „Die FU ist mächtig und einflussreich. Dass sich zwei Top-Kandidatinnen bewerben, zeigt: Es geht um was.“ Niebler führte den Verband zehn Jahre lang, erkämpfte die aktuell geltende Quote und brachte die erfolgreiche Kampagne für die Mütterrente ins Rollen.