In der Politik gibt es manchmal freiwillige und häufig erzwungene Rücktritte. Eher selten etwas irgendwo dazwischen. Ursula Männle (75) erlebt jetzt genau diesen Sonderfall: Sie hört nicht ganz freiwillig vorzeitig auf als Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, formal könnte aber keine Macht dieser Welt sie zum Rückzug zwingen. Männle ist noch bis 2022 gewählt, macht nun aber Platz, weil CSU-Chef Markus Söder andere Pläne mit der parteinahen Stiftung verfolgt. Und auch sie weiß: Geduld ist nicht sein herausragender Wesenszug.
Er wolle eine „grundlegende Modernisierung“, sagte Söder im März. Er will die Stiftung zum „Frühwarnsystem“ für gesellschaftliche Trends und (Fehl-)Entwicklungen ausbauen. Als Leiter will er auch hier einen loyalen Vertrauten installieren, den schwäbischen CSU-Chef und Europaabgeordneten Markus Ferber (54), bisher einer der Vizes. Die Stiftung – 1967 gegründet, 270 Mitarbeiter – betreibt politische Bildung, unterhält ein Stipendiatenprogramm, führt Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit in 60 Ländern und soll die Politik beraten.
Über die Jahrzehnte war die Stiftung etwas angestaubt; von manchen als Austragsstüberl für CSU-Ehemalige fehlinterpretiert. Männle hatte ab 2014 selbst einige Reformen angestoßen, Strukturen hinterfragt, sie eckte intern teils mit kantiger Aussprache an. Sie fällte auch die schlagzeilenträchtige Entscheidung, das legendäre Wildbad Kreuth aufzugeben – der neue Mietvertrag war zu teuer. Der „von mir initiierte Reformprozess hat sich soweit verstetigt, dass er tatkräftig fortgesetzt werden kann“, verkündet sie nun. Bereits angelaufen ist auch ein umfangreicher Personalwechsel: Als Generalsekretär stieg der junge Ex-Abgeordnete Oliver Jörg ein, als Vize-Vorsitzende hat die evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler zugesagt. Sie ist – oha! – parteilos.
In den Ruhestand geht Männle nicht. Die langjährige Starnberger Landtagsabgeordnete ist ja auch Wirtin in München: Die gebürtige Ludwigshafenerin ist als Vorsitzende des Landesverbands der Pfälzer auch Chefin der Weinstube in der Residenz. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
Neuer Chef, neuer General,
neue Vizes