Irrenlohe – Zwei Loks, 19 Waggons, insgesamt 1900 Tonnen schwer, rauschten am 22. Oktober durch die Oberpfalz. Die Situation erinnerte an den Film „Unstoppable“ – in dem US-Streifen ist Star-Schauspieler Denzel Washington der heldenhafte Lokführer, der zusammen mit einem Kollegen das „Biest“ (so heißt der Zug im Film) schließlich stoppen kann.
So viel Glück hatten die beiden Lokführer des Güterzugs auf dem Weg von Cheb/Eger nach Wiesau (Kreis Tirschenreuth) nicht. Ihr Zug ratterte ohne Bremsen über 90 Kilometer auf der Strecke bergab, fuhr durch Wiesau durch und weiter an Marktredwitz und Weiden vorbei, ehe er schließlich bei Irrenlohe (nördlich von Schwandorf), wo das Gelände flacher wird, sanft ausrollte. Die beiden Lokführer an Bord waren hilflos. Ein Notfallmanager der Deutschen Bahn fuhr den Güterzug dann in Schrittgeschwindigkeit auf ein Abstellgleis. Diese Fahrt verlief glimpflich, weil Fahrdienstleiter der DB die Strecke vom Gegenverkehr freihielten. Doch den Lokführern drohen strafrechtliche Konsequenzen. „Es wird ein Ermittlungsverfahren geführt“, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Weiden, Gerd Schäfer, unserer Zeitung. Der Verdacht richte sich gegen die beiden Lokführer, denen die Gefährdung des Bahnverkehrs und ein gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr zur Last gelegt werden könnte – sofern es zum Verfahren kommt. Strafbar wäre das nach Paragraph 315 des Strafgesetzbuches. Entscheidend werde sein, ob es wirklich zu konkreten Gefährdungssituationen gekommen ist, sagte Schäfer. Die Bundespolizei Waldmünchen, die die Ermittlungsarbeit durchführt, wird dazu auch die Fahrdienstleiter befragen. In 14 Tagen könnte das abgeschlossen sein, schätzt der Pressesprecher.
Außer Frage steht offenbar der Fehler, den die beiden Lokführer begangen haben. Sie sollten den Holzzug im Auftrag des Freilassinger Unternehmens K-Rail nach Wiesau bringen. Beim Ankuppeln der Loks missachteten sie Vorschriften. So wurde eine vorschriftsmäßige Bremsprüfung höchstwahrscheinlich unterlassen. So rollte der Zug mit einem geschlossenen Luftabsperrhahn in der Hauptbremsleitung bergab. Nach Angaben von K-Rail wurden beide Lokführer fristlos entlassen.