München – Nach den Vorwürfen wegen seines Finanzgebarens hat sich der Präsident des bayerischen Jagdverbands, Jürgen Vocke, geäußert. Er wisse zwar noch nicht, was gegen ihn vorliege, er sei sich aber keiner Schuld bewusst. Sollten sich die Vorwürfe strafrechtlich erhärten, „dann würde ich mein Amt sofort niederlegen, um Schaden vom Verband abzuwenden“, betonte er.
Vocke steht seit 25 Jahren an der Spitze des bayerischen Jagdverbandes. Ein Präsidiumsmitglied hat ihn wegen Untreue und Unterschlagung angezeigt (wir berichteten). Die Staatsanwaltschaft München I bestätigte gestern, dass die Anzeige mittlerweile eingegangen sei. Die Anzeige beziehe sich auf die Abrechnung privater Auslagen, die Nutzung des Dienstwagens und die Beschäftigung von Vockes Tochter bei einem mit dem Verband verbundenen Unternehmen.
Vocke hatte schon vor der Anzeige angekündigt, im Frühjahr sein Amt nach mehr als zwei Jahrzehnten vorzeitig zur Verfügung zu stellen. Möglicherweise könnte Vocke aber schon früher zum Rücktritt gedrängt werden. Seine Zukunft dürfte auch davon abhängen, zu welchen Ergebnissen ein externer Wirtschaftsprüfer in seinem Bericht kommt, der am 26. Oktober bei einer außerordentlichen Delegiertenversammlung des Verbands vorgestellt werden soll.
Während die Vorwürfe gegen Vocke weiter im Raum stehen, läuft im Hintergrund bereits das Ringen um seine Nachfolge. Dem Vernehmen nach meldet nicht nur die CSU Anspruch auf den Posten des obersten Jägers an, Interesse gibt es auch bei den Freien Wählern. Drei Kandidaten werden derzeit immer wieder genannt, wenn es um Vockes Nachfolge geht: Der langjährige Pressesprecher und Jagdverbands-Vizepräsident Thomas Schreder hatte in der Vergangenheit seine Bereitschaft zur Kandidatur erklärt. Ob der Erdinger, der im vergangenen Herbst den Einzug in den Landtag verfehlte, ausreichend Unterstützung in der CSU hat, ist aber fraglich. Denn neben ihm stehe ein weiterer CSU-Mann bereit, heißt es: der Landtagsabgeordnete Alexander Flierl aus der Oberpfalz.
Eine mögliche Kandidatur will Flierl weder bestätigen noch dementieren. „Aber es ehrt mich, genannt zu werden.“ Er ist erst seit Kurzem Mitglied des Präsidiums und gilt unter Mitgliedern deshalb als weniger belastet. Zu den Vorwürfen gegen Vocke sagt er, die Zwischenberichte des Wirtschaftsprüfers würden ernst genommen. „Offene Punkte müssen wir klären und gegebenenfalls Mängel beseitigen.“
Als dritter Kandidat wird der Freie Wähler Roland Weigert gehandelt, Staatssekretär in Hubert Aiwangers Wirtschaftsministerium. Aiwanger sagt zu den Spekulationen: „Wir drängen Vocke nicht aus dem Amt, er hat für die bayerischen Jäger viel erreicht.“ Gleichzeitig macht er aber keinen Hehl daraus, dass auch die Freien Wähler durchaus Interesse an dem Posten haben. „Wir hätten passende Kandidaten, gehen aber nicht in die Offensive.“
DOMINIK GÖTTLER