Happy End für den falschen Eberhofer

von Redaktion

Vohenstrauß – Alles fing damit an, dass Markus Schmid aus Vohenstrauß auf dem Flohmarkt diese Lederjacke sah, eine schwarze war es, mit Schulterklappen und einem Wappen – ein ausrangierter, aber sonst echter bayerischer Polizei-Janker. Erst ging der 24-jährige Postbote noch daran vorbei, dann blieb er stehen und überlegte. „Damit kannt’ ich doch im Fasching als der Eberhofer Franz gehen…“ Und den Part des Kumpels der Polizei-Kultfigur aus Kinohits wie Winterkartoffelknödel, Dampfnudelblues oder neuerdings Leberkäsjunkie, den Rudi Birkenberger, den könnte doch sein Spezl Andre Hilburger übernehmen. Für 130 Euro wechselte die Joppe den Besitzer, ein Hemd der alten Uniform, auch mit Hoheitszeichen, gab es obendrauf.

Auftakt zu einer Tragikomödie. Die Straftat: Der falsche Eberhofer und der falsche Birkenberger sind der Hit auf dem Moosbacher Weiberfasching im Kreis Neustadt an der Waldnaab. Der wird von Tausenden besucht, „d’Leit ham uns super g’fundn“, erinnert sich Markus Schmid. Nach der letzten Mass stehen beide reichlich abgekämpft an der Bushaltestelle, wo es sogar schon ans Einsteigen ging. Da heißt es: „Moment!“ Ein echter Polizist (31) spricht Schmid auf seine Abzeichen an. Diese hatte zwar der Postbote vor dem Weggehen abgeklebt, doch irgendwie hat sich das Panzertape im Gewühl verabschiedet. Der Ordnungshüter erkennt somit auch einen Amtsmissbrauch, die Jacke wird konfisziert, das Hemd muss verkehrt herum getragen werden.

Der Einwand „Wir sind doch Eberhofer und Birkenberger, des kennt ma doch“ verpufft. Stattdessen kommt ein Strafbefehl wegen Amtsanmaßung und Titelmissbrauch – dazu die saftige Rechnung: 1800 Euro. Schmid legt Einspruch ein, es kommt zum Prozess. Vor dem Amtsgericht Weiden erhofft er sich einen Freispruch. Daraus wird nichts. Oberstaatsanwalt Bernhard Voit belehrt ihn. „Der Staat muss eingreifen, wenn falsche Polizisten herumlaufen“, berichtet der „Neue Tag“. Der Bürger müsse wissen, an wen er sich in Notsituationen wendet. Immerhin wird es billiger für den falschen Eberhofer: Statt 1800 Euro sind es 450 Euro. Der Titelmissbrauch aber bleibt.

Im Internet formierten sich daraufhin Unterstützer, sie sammeln Geld. Auch die Produktionsfirma der Eberhofer-Krimis, Constantin in München, hört vom Urteil. Ein Vertreter meldet sich bei Schmid und berichtet ihm, dass eine Gruppe um Eberhofer-Darsteller Sebastian Bezzel und Krimi-Autorin Rita Falk die Geldstrafe übernehmen wolle. Dazu gibt es eine Einladung zur Premiere des neuen Films mit dem Titel Kaiserschmarr’ndrama. Ein Grund zum Feiern: Bald steigt in Moosbach ein „Leberkasfest“, zu dem neben Schauspieler Bezzel auch der echte Polizist eingeladen ist. MARKUS CHRISTANDL

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