Immenstadt – „Danke, es geht mir gut. Der Prozess macht mir keine Angst.“ Freundlich meldet sich der evangelische Pfarrer Ulrich Gampert am Telefon. Von Nervosität keine Spur. Morgen muss er sich vor dem Amtsgericht in Sonthofen verantworten. Er hatte mit seiner Kirchengemeinde den 23-jährigen afghanischen Flüchtling Reza Jafari mehr als ein Jahr lang im Kirchenasyl beherbergt (wir berichteten). Gampert erhielt dafür einen Strafbefehl über 4000 Euro. Weil Gampert dagegen Einspruch einlegte, kommt es nun zur Gerichtsverhandlung.
Dem 64-Jährigen wird von der Justiz „Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt“ vorgeworfen. Bei der Entscheidung, den Pfarrer rechtlich zu belangen, spielte nach Angaben des Gerichts auch eine Rolle, dass Gampert schon einmal drei Personen Kirchenasyl gewährt hatte. Die bayerische evangelische Landeskirche (ELKB) unterstützt den Pfarrer bei dem Verfahren finanziell. Der Gang vor Gericht biete die Möglichkeit, grundsätzlich klären zu lassen, ob das Kirchenasyl „eine strafbare Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt darstelle“, heißt es in einer Mitteilung der ELKB. Nach Angaben eines Gerichtssprechers erwarte man bei der heutigen Verhandlung auch ein Urteil.
Der betroffene Flüchtling Reza Jafari sitzt bei der Verhandlung ebenfalls auf der Anklagebank. Er hatte einen Strafbefehl über 900 Euro wegen unerlaubten Aufenthalts erhalten und dagegen Einspruch eingelegt. Jafari hatte das Immenstädter Kirchenasyl verlassen können, nachdem der Petititionsausschuss des bayerischen Landtags einen sechsmonatigen Abschiebestopp beschlossen hatte. Dieser ist bis November befristet. Der junge Afghane hat mittlerweile eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann begonnen.
Gampert und seine Unterstützer wollen ein Exempel statuieren. „Kirchenasyl zu gewähren ist keine Straftat“, sagt er mit Nachdruck. Wenn die evangelische Kirchengemeinde wieder vor derselben Situation stünde, „dass, wenn wir nicht handeln, einem Menschen Gefahr für Leib und Leben droht, dann, so hoffe ich, würden wir wieder so handeln“, formuliert er bewusst vorsichtig. Die staatlichen Behörden seien immer eingebunden gewesen. „Jeder Fall wird zurückgegeben an die staatlichen Behörden“, stellt Gampert klar. Es gehe darum, dass die Behörden die rechtliche Lage noch einmal überprüfen. „Es ist kein Verstecken.“
Wenn Ulrich Gampert heute vor Gericht ist, begleiten ihn die Mitglieder seines Kirchenvorstands. Denn sie haben den Entschluss gemeinsam gefasst, Reza Jafari aufzunehmen. Gampert ist zuversichtlich, dass das Urteil zu seinen Gunsten ausgeht. Im Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand, heißt es. Keine schlechte Voraussetzung für einen evangelischen Pfarrer. (mit epd)