Lebensretter spendete 88 Liter Blut

von Redaktion

VON CLAUDIA SCHURI

Geretsried – Nikolaus Schöfmann aus Geretsried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) hat schon viele Leben gerettet: Der 71-Jährige ist einer der fleißigsten Blutspender Oberbayerns. 88 Liter Blut hat er in den vergangenen 53 Jahren gespendet, erst am Montag nahm er in der Grund- und Mittelschule Wolfratshausen wieder auf der Liege Platz. Ungefähr zehn Minuten dauerte es, dann waren die benötigten 500 Milliliter Blut abgezapft. „Ich war gleich wieder fit“, berichtet er. „Mir geht es danach immer sehr gut.“

Es war die 176. Blutspende für den 71-Jährigen und soll nicht seine letzte bleiben. „Bis zu meinen 73. Geburtstag darf ich spenden“, sagt er. „Und bis dahin werde ich das weiter regelmäßig alle zwei bis drei Monate machen.“

Für diesen Einsatz wurde er gestern bei einem Ehrenabend des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes in Germering (Kreis Fürstenfeldbruck) gemeinsam mit 427 weiteren besonders engagierten Spendern ausgezeichnet. Sie haben im Laufe ihres Lebens 75, 100, 125 oder 150 Mal Blut gegeben. Schöfmann ist einer von vier Geehrten, die sogar ihr 175. Spenden-Jubiläum geschafft haben. „Das ist wirklich sehr außergewöhnlich“, sagt Patric Nohe vom Blutspendedienst. Rund 2000 Blutspenden werden täglich in Bayern benötigt. Doch eine Spende ist nur 42 Tage haltbar. „Deshalb ist kontinuierliches Engagement so wichtig“, erklärt Nohe.

Bei seiner ersten Blutspende war Schöfmann gerade einmal 18 Jahre alt, machte eine Ausbildung zum Krankenpfleger und war in der Wasserwacht engagiert. Er wusste, wie dringend Blut benötigt wurde – und zögerte keine Sekunde, zum Spendetermin zu gehen. „Danach habe ich nie daran gedacht, aufzuhören“, betont er. Für ihn ist es Ehrensache, kranken Menschen zu helfen. „Eine Blutspende ist für den Spender eine gute Tat, die nichts kostet“, sagt er. „Aber Blut ist das beste und wertvollste Geschenk, das man machen kann.“

Das beste Beispiel dafür sind Gela Allmann und Felix Brunner, die bei dem Ehrenabend als Blutspende-Botschafter auftraten. Allmann stürzte bei einem Model-Termin in Island an einem Hang 800 Meter in die Tiefe, Brunner fiel beim Klettern in eine 30 Meter tiefe Schlucht. Beide überlebten – auch dank vieler Blutkonserven.

„Wenn man solche Geschichten hört, weiß man, wofür man spendet“, sagt Schöfmann. Zudem hätten Spender den Vorteil, dass ihr Blut untersucht wird. Alle Spendentermine in Geretsried, Wolfratshausen und Bad Tölz hat sich Schöfmann in seinem Kalender notiert, außerdem lässt er sich per E-Mail daran erinnern.

Um neue Spender zu werben, hat der Geretsrieder Plakate aufgehängt, Flyer verteilt und immer wieder Patienten in seiner ehemaligen Massagepraxis auf das Thema angesprochen. „Ich kann das Blutspenden nur jedem wärmstens empfehlen“, sagt er. Angst brauche niemand zu haben. Nur ganz selten hätten Spender mit Kreislaufproblemen zu kämpfen, so seine Erfahrung. „Aber das legt sich dann schnell wieder“, erklärt er. „Das Blut wird innerhalb kürzester Zeit wieder ersetzt, ich hatte noch nie Nebenwirkungen.“ Er habe nicht einmal ein Schwächegefühl nach dem Abzapfen des Blutes.

Um eine Blutspende gut wegzustecken, hat Nikolaus Schöfmann einen Tipp: „Man sollte vorher viel trinken und sich möglichst gesund ernähren“, sagt er. „Dann ist eine Blutspende eine Kleinigkeit.“ Er hat schon seine nächste Spende im Auge: Im November wird er sich wieder auf die Liege legen und sein Blut abzapfen lassen.

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