München – München-Zulage. Allein bei dem Wort steigt bei so manchem Bürgermeister rund um die Landeshauptstadt derzeit der Blutdruck. „Wenn München mehr zahlt, haben wir keine Chance“, sagt etwa Olaf von Löwis. Der CSU-Politiker ist Bürgermeister von Holzkirchen und Sprecher der Rathauschefs im Landkreis Miesbach. Er glaubt, dass es für ihn und seine Kollegen künftig noch schwieriger wird, Personal für die Verwaltung zu finden.
Seit Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) angekündigt hat, die München-Zulage für Angestellte mit unteren und mittleren Einkommen ab 2020 auf 270 Euro pro Monat verdoppeln zu wollen, ist in den Personalabteilungen der Umlandgemeinden hektisches Treiben ausgebrochen. Zwar steht die Einigung mit Verdi auf einen neuen Tarifvertrag noch aus. Doch schon jetzt kündigen immer mehr Kommunen im Münchner Speckgürtel an, dass sie nachziehen wollen. Zuletzt etwa die Landratsämter in Ebersberg, Starnberg und Fürstenfeldbruck oder die Stadt Dachau.
„Es ist ein Wettrennen um die besten Kräfte“, sagt Gemeindetags-Sprecher Wilfried Schober. Keine Kommune will auf dem ohnehin leer gefegten Arbeitsmarkt mit schlechteren Arbeitsbedingungen dastehen als die Nachbargemeinde. Schließlich zieht sich der Personalmangel bei den Kommunen von der Verwaltung über die Bauhöfe bis zur Putzkraft. Schober erwartet, dass bei der Zulage nach und nach alle Kommunen im Großraum München nachziehen werden. Denn die Bedingungen, die die Stadt München nun mit Verdi aushandelt, können die Kommunen im Ballungsraum übernehmen – wenn sie es sich leisten können.
Dabei schimpft aber so mancher Kommunalpolitiker über den Münchner Alleingang. „Es wäre natürlich besser gewesen, die Stadt München hätte sich zuvor mit dem Umland besprochen“, sagt der Freisinger Landrat Josef Hauner (CSU). „Wir brauchen hier eine gemeinsame Lösung.“ Und der Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU) kritisiert, dass die Landeshauptstadt als Zuckerl auch noch ein kostenloses Jobticket für den öffentlichen Nahverkehr draufpackt. Das führe zu einer Konkurrenz zwischen den öffentlichen Arbeitgebern und werde eine Spirale in Gang setzen, der sich die Landkreise nicht entziehen könnten. Welcher Gemeinderat will schon der einzige in der Region sein, der seinen Mitarbeitern den Bonus verweigert?
Schon jetzt zahlen viele Gemeinden eine sogenannte Ballungsraum-Zulage an ihre Mitarbeiter. Allerdings ist diese Zusatzzahlung nur in Kommunen erlaubt, die im Landesentwicklungsplan zum „Verdichtungsraum“ gezählt werden. Kriterien wie die Zahl der Arbeitsplätze in der Gemeinde oder die Verkehrsanbindung führten dazu, dass etwa die Gemeinde Bergkirchen im Kreis Dachau, die direkt an München grenzt, nicht zu diesem Verdichtungsraum gehört, während etwa die deutlich weiter entfernten Gemeinden Oberschweinbach oder Türkenfeld im Kreis Fürstenfeldbruck Personal mit einer Ballungsraum-Zulage ködern können.
Die Gebietskulisse für die Münchenzulage (auch Großraumzulage genannt) soll dagegen deutlich weiter gefasst werden, sodass auch Gemeinden wie Bergkirchen die Möglichkeit bekommen, konkurrenzfähige Gehälter zu zahlen. Einem Sonderrundschreiben des Kommunalen Arbeitgeberverbands vom August zufolge könnte der neue Großraum künftig im Norden von Kirchdorf an der Amper im Kreis Freising bis in den Süden in Weyarn im Kreis Miesbach reichen. Und im Westen von Geltendorf (Kreis Landsberg am Lech) bis zum östlichen Isen im Kreis Erding.
Nur: Das Geld für die Zulage muss natürlich erst mal erwirtschaftet werden. Und irgendwo wird auch dann der Großraum enden. „Dabei sieht es gerade im Süden Münchens bei den Grundstückspreisen und Lebenshaltungskosten nicht besser aus als im unmittelbaren Großraum“, sagt Schober. „Diese Gemeinden sind dann die Gekniffenen.“ dg/no/ses/hob