Penzberg/Stegaurach – Wo bleibt der Anstand, der Respekt und die gebotene Zurückhaltung gegenüber Opfern und Rettern? Zwei Beispiele lassen einen fassungslos zurück: Während eines Rettungseinsatzes, der einem Radler galt, drängelten sich Gaffer in Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) immer wieder zu dem am Boden liegenden Schwerverletzten hin, um einen möglichst guten Blick auf ihn zu haben. Und während eines Einsatzes in Oberfranken fuhr ein Auto auf einen Feuerwehrmann zu und verletzte diesen.
„Entschuldigen kann man einen solchen Umstand nicht“, sagt der Penzberger Polizeisprecher Ingo Hübner zu dem Vorfall, der sich am vergangenen Donnerstag im Ort ereignete. Ein 67-Jähriger aus Penzberg war mit einem E-Bike schwer gestürzt. Er zog sich Rippenbrüche, Prellungen und trotz Helms eine Platzwunde am Kopf zu. Drei Frauen, eine davon eine zufällig anwesende Ärztin, leisteten sofort Erste Hilfe. Ein weiterer Mediziner kam hinzu, zwei Ärzte kümmerten sich nun um den Mann, der mittlerweile reanimiert wurde. Zwischenzeitlich waren Rettungskräfte eingetroffen, die die Wiederbelebung übernahmen. In dieser Zeit mussten Ersthelferinnen dafür sorgen, dass die Rettungskräfte ungestört blieben, da laut Polizei „ständig sogenannte Gaffer die laufende Reanimation störten. Auch Fahrzeuge blieben stehen.“ Zwei der Frauen spannten schließlich eine Decke auf und schützten Verletzten wie Helfer vor den Blicken. Der Mann kam anschließend ins Krankenhaus, wo er später starb. Grund war wohl eine Vorerkrankung. Seine Angehörigen bedankten sich gestern bei allen Helfern. Und schrieben an die Gaffer: „Wir hoffen, dass Sie persönlich oder ein liebendes Familienmitglied niemals solch eine Erfahrung machen muss! Schämen Sie sich dafür!“
In Stegaurach (Kreis Bamberg) brannte es am Sonntagabend, ein Wohn- und Geschäftshaus wurde von der Feuerwehr in Stegaurach (Kreis Bamberg) evakuiert. Wie sich später herausstellte, handelte es sich um ein harmloses Feuer, es hatte nur stark wegen eines vergessenen Stofftuchs auf einer Herdplatte geraucht.
Das größere Drama entwickelte sich außerhalb des Ortes: Ein 32-jähriger Feuerwehrmann, der mit der Absperrung einer Straße beauftragt war, wurde von einem ungeduldigen Autofahrer angefahren und dabei leicht am Knie verletzt.
Stegaurachs Bürgermeister Thilo Wagner: „Ich finde das traurig und mich ärgert es, dass gegen unsere Einsatzkräfte, die das Ganze ehrenamtlich machen, so ein Verhalten an den Tag gelegt wird.“ Die Feuerwehr werde rechtliche Schritte prüfen. Polizeisprecher Alexander Krapp berichtet, der Autofahrer habe die Einsatzkräfte auch noch beleidigt. Er wurde angezeigt. mc