Mutter stürzt aus fahrendem Auto

von Redaktion

Unfassbares Drama auf der Autobahn A 96 München-Lindau: Bei Schöffelding (Landkreis Landsberg/Lech) fiel eine Mutter (28) aus einem fahrenden Auto, als sie sich um ihr Baby kümmern wollte. Die junge Mutter starb.

VON JOHANNES WELTE

Schöffelding/Fuchstal – Marcus Karl kann es als Kommandant der Feuerwehr Windach (Kreis Landsberg/Lech) noch immer nicht fassen: Dass eine Frau auf der Autobahn München-Lindau (A 95) durch eine offene Schiebetür aus einem fahrenden Auto stürzt und stirbt, das hat der erfahrene Retter noch nie erlebt. „Das nimmt einen schon sehr mit“, zeigt er sich noch einen Tag nach der Tragödie, die sich am Mittwochnachmittag ereignete hatte, tief erschüttert. Dabei hat der Feuerwehrkommandant schon viele schreckliche Dinge bei Unfällen auf der A 96 gesehen. Dieser Einsatz aber geht den Einsatzkräften besonders nahe.

Das tragische Unglück lässt sich nach dem Stand der Ermittlungen so rekonstruieren: Am Mittwochnachmittag fährt Familienvater Franz S. (55) aus Fuchstal (Kreis Landsberg) mit dem zum Campingmobil ausgebauten Mercedes Vito Minivan Richtung Landsberg. Die Familie ist auf dem Rückweg aus dem Kroatien-Urlaub, es sind nur noch wenige Minuten, bis sie daheim sind. Auf dem Beifahrersitz sitzt Lisa (28), wie Franz S. seine aus China stammende Ehefrau nennt. Bei Schöffelding klettert sie nach hinten zum sieben Monate alten Baby, das auf dem Rücksitz des Vans in einem tragbaren Kindersitz festgeschnallt ist. Dazu zwängt sich die junge Mutter zwischen Fahrer- und Beifahrersitz durch. Die Mittelbank ist nach unten geklappt, dazwischen liegen Getränkeverpackungen und Koffer.

Offenbar als Lisa S. wieder nach vorne klettern will, öffnet sich auf der rechten Seite die Schiebetüre des Vito und die junge Frau stürzt auf die Fahrbahn. Ihr Mann stoppt den Wagen sofort. Doch vergebens: Die 28-Jährige kommt bei diesem Sturz ums Leben. Möglicherweise ist sie im Van auf einer Tragetasche am Boden ausgerutscht.

Zur Klärung der Unfallursache hat die Staatsanwaltschaft ein Gutachten in Auftrag gegeben. Die Polizei prüft auch, ob Lisa S. noch von den Hinterrädern des Familien-Vans erfasst wurde. Feuerwehrkommandant Karl sagte gegenüber unserer Zeitung: „Es ist schon besonders tragisch, wenn der Ehemann und Vater des Kindes die Mutter überfährt.“ Auch in Fuchstal ist die Betroffenheit groß: „Schrecklich, was da dem Franz passiert ist“, sagt ein Fischerkamerad.

Wie ist es aber möglich, dass sich die Schiebetür des Vito von innen öffnen ließ? Der Vito hat entweder eine mechanische oder eine elektrische Schiebetür. Welche in diesem Fall eingebaut war, war gestern unklar. Daimler-Sprecherin Diana Boch erklärt: „Bei Nicht-Aktivierung der Kindersicherung lassen sich die mechanischen Schiebetüren von innen öffnen.“ Bei elektrischen Schiebetüren sei nur eine mechanische Öffnung möglich, „wobei ein höherer Widerstand zu überwinden ist“. Bei nicht korrekt verschlossener Tür bekomme der Fahrer eine Warnmeldung.

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