Regensburg – Königliche und kirchliche Pracht, wissenschaftlicher Fortschritt und das Elend vieler Bauern zeigt ab heute die Bayerische Landesausstellung „100 Schätze aus 1000 Jahren“ in Regensburg. Die Schau wird diesmal im neuen Museum der Bayerischen Geschichte präsentiert. Der Hintergedanke der Ausstellungsmacher: wer wegen der Landesausstellung nach Regensburg kommt, sieht sich vielleicht auch noch das Museum an. Oder andersrum.
Die Landesausstellung bietet einen kurzweiligen, multimedialen Streifzug durch die Jahrhunderte. Die Leihgaben stammen teilweise aus berühmten Museen wie dem Louvre in Paris, und auch das schwedische Königshaus hat ein Exponat aus seiner Schatzkammer beigesteuert.
Zu den ältesten Ausstellungsstücken zählen zwei im niederbayerischen Straßkirchen gefundene Skelette, die den Angaben nach etwa aus der Zeit um 500 nach Christus stammen. Es könnte sich um Bruder und Schwester handeln, beide dürften etwa Mitte 20 gewesen sein, sagt Projektleiter Rainhard Riepertinger. Die beiden Skelette fallen durch ihr jeweils makelloses Gebiss auf. „Karies hatten sie nicht“, sagt Riepertinger.
600 Jahre alt und erstaunlich gut erhalten sind die Lederstiefel einer Moorleiche, um deren Geschichte sich etliche Spekulationen ranken. Stolz sind die Museumsmacher auf einen echten Dürer in der Ausstellung. Das Gemälde von 1520 zeigt das Porträt des Augsburgers Jacob Fugger – der Beschreibung nach einer der reichsten Menschen überhaupt, der es sich folglich habe leisten können, den berühmten Maler zu engagieren. Die Büste eines Tempelritters ist zudem ein Beispiel für inklusive Museumsarbeit. Der Kopf sei eigens für die Ausstellung von einem Steinmetz nachgebildet worden, sodass ihn blinde und sehbehinderte Besucher ertasten können. Die Erläuterung dazu ist auch in Blindenschrift geschrieben.
Das Elend der Bevölkerung zur Zeit der Pest zeigt eine hölzerne Leichenkarre auf zwei Rädern, mit der die Toten transportiert wurden. Welche strengen Moralvorstellungen einst herrschten, wird anhand eines sogenannten Schandmantels deutlich: ein tonnenförmiger, hölzerner Umhang, den Männer in der Öffentlichkeit tragen mussten, die „leichtfertig“ waren – sprich vorehelichen Sex hatten.
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) pries bei der Eröffnung der Ausstellung gestern die Vorzüge des Freistaates: „Es ist ein Privileg, Bayer zu sein.“ Und der Bayer kann, falls er noch nicht hat, neben der Landesausstellung auch das neue Museum der bayerischen Geschichte besuchen. Fast 300 000 Menschen haben das seit der Eröffnung vor vier Monaten bereits getan. Mit dieser großen Zahl sei nach der teils massiven Kritik noch vor der Eröffnung nicht zu rechnen gewesen, räumte Museumsdirektor Richard Loibl ein.
Einzelne Fehler sind mittlerweile ausgebessert worden. Ein Foto der Biermösl Blosn etwa hatte nur zwei der drei Brüder gezeigt, der Kopf der Gruppe, Hans Well, fehlte rätselhafterweise. Auch technische Probleme sind überwunden, etwa die anfangs mangelhafte Beleuchtung vieler Exponate. Oder auch das: „Zuerst fiel die Rolltreppe aus. Und dann fiel der Lift aus“, sagte Loibl. Doch die Menschen hätten an der Treppe mit Sinn für Humor gewartet. Auch die Kommentare zum Museum seien weitgehend positiv und enthielten auch Humor. Loibl zitierte einen Besucher: „Hat’s das mit den Franken 1806 wirklich gebraucht?“ dw/lby