Alle drei Minuten eine Durchsage

von Redaktion

SPD-Anfrage offenbart kaum bekannte Vorschrift für Zugbetreiber

München/Rosenheim – An einem Sonntag im August erlebten hunderte Fahrgäste des Meridians M 79038 auf der Fahrt von Salzburg Richtung München ein wahres Drama. Ihr Zug blieb wegen eines technischen Defekts liegen – stundenlang waren die Fahrgäste gefangen.

Angesichts der vielen Störungen und Zugausfälle, denen Fahrgäste in Bayern fast täglich ausgesetzt sind, wäre dieser Vorfall wahrscheinlich schon in Vergessenheit geraten. doch der Münchner SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn hat zur Meridian-Panne noch mal nachgehakt – durch eine Anfrage im Landtag wollte er Details wissen. Heraus kam unter anderem, dass Meridian (und auch alle anderen Zugbetreiber) Fahrgäste im Störungsfall viel detaillierter informieren müssen, als es allgemein üblich ist. Das Verkehrsministerium schreibt in der Antwort wörtlich: „Im Störungsfall bei Stillstand des Zuges auf der Strecke müssen Fahrgäste im Zug umgehend informiert werden.“ Und weiter: „Innerhalb von drei Minuten nach Eintritt der Störung sind weitere Informationen über Ursache, Dauer der Störung und eventuelle Fahrtalternativen zu geben.“ Sollte die Dauer der Störung nicht absehbar sein, „müssen die Fahrgäste alle drei Minuten aktuelle Informationen erhalten“.

Die Vermutung liegt nahe, dass Deutsche Bahn und auch all die privaten Zugbetreiber, die auf dem bayerischen Streckennetz unterwegs sind, diese 3-Minuten-Regel entweder souverän missachten oder sie gar nicht kennen. Bei der Panne im August waren Informationen jedenfalls Mangelware. Unsere Zeitung berichtete damals von zunächst einer Durchsage – dann kam lange nichts. Eine Bahnmitarbeiterin, die privat unterwegs war, musste für amerikanische Touristen übersetzen – denn obwohl das auf der Salzburger Strecke ebenfalls Vorschrift ist, gab es keine Durchsage auf Englisch.

Florian von Brunn fordert nun Konsequenz aus dem Chaos. Die Staatsregierung müsse bei Ausschreibungen von privaten Zuganbietern in Zukunft vorrangig Zuverlässigkeit sowie Qualität und weniger die bloße Wirtschaftlichkeit beachten.  dw

Artikel 9 von 11