NACHGEFRAGT...

Mission Tierrettung

von Redaktion

„Die ganze Welt ändert sich nicht, wenn ein Tier gerettet wird, aber für dieses eine Tier ändert sich die ganze Welt.“ Das ist seit 2003 das Motto der Tierschutzjugend Erding. Jetzt hat die Gruppe den Bayerischen Tierschutzpreis gewonnen. Vorsitzende Tanja Glasl (43) verrät, wie sie sich eine tierfreundliche Zukunft vorstellt.

Herzlichen Glückwunsch zur Ehrung. Warum ist Ihnen der Tierschutz so wichtig?

Ich finde, man muss Mitgefühl mit allen Kreaturen haben. Es ist wichtig, sich dafür einzusetzen, dass Tiere nicht mehr ausgebeutet werden. Je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr bemerkt man, was alles falsch läuft.

Sie nennen sich Tierschutzjugend. Dabei sind die Gründer der Gruppe inzwischen längst erwachsen. Haben Sie überlegt, sich umzubenennen?

Ja, darüber haben wir uns tatsächlich Gedanken gemacht. Aber unter dem Namen Tierschutzjugend Erding sind wir bekannt. Und bei uns machen auch Jugendliche mit. Für sie gibt es zum Beispiel Gruppenstunden.

Wie engagiert sich die Gruppe?

Im Oktober demonstrieren wir in München gegen Tiertransporte in der Europäischen Union und planen in Erding einen Stand gegen Pelz. Wir machen Aktionen, zum Beispiel zur Krötenrettung oder zur Kastration von wilden Katzen. Vor eineinhalb Jahren haben wir den Wallach Jack vor dem Schlachter gerettet. Jetzt lebt er auf einem Gnadenhof und wir haben die Patenschaft übernommen. Dazu vermitteln wir Pflegetiere.

Was wollen Sie mit dem Preisgeld machen?

Wir wünschen uns schon lange eine Auswilderungsvoliere für Eichhörnchen. Der Bedarf ist da. Es gibt viele Menschen, die kranke Eichhörnchen aufpäppeln und danach einen Platz zum Auswildern suchen.

Was würden Sie sich von der Regierung wünschen?

Wir haben bei der Preisverleihung das Thema Kastrationspflicht für Katzen angesprochen und dem Minister Bilder dazu gezeigt. Unter nicht kastrierten Katzen kommt es oft zu Kämpfen, die mit lebensgefährlichen Verletzungen enden können. Außerdem nimmt die Zahl der verwilderten Katzenbabys zu. Wir wünschen uns auch, dass Tiertransporte innerhalb der Europäischen Union und in Drittländer verboten werden.

Wie stehen Sie generell zu Schlachtungen?

Am besten fänden wir es natürlich, wenn es gar keine Schlachtungen mehr gäbe. Ich denke, es muss sich jeder die Frage stellen, was an einem Schwein oder einer Kuh anders ist als an einer Katze oder einem Hund. Wir finden nichts und ernähren uns darum vegetarisch oder vegan. Die Leute werden bei dem Thema zwar verständnisvoller – aber es ist noch ein weiter Weg. Es gibt generell in vielen Bereichen noch viel zu tun. Stadttauben zum Beispiel sind auch ganz arme Tiere.

Wie sollte man mit ihnen umgehen?

Das Fütterungsverbot bringt gar nichts. Wir bräuchten betreute Taubenschläge. Um die Tauben-Vermehrung einzudämmen, könnte man dort die echten Eier durch Gipseier austauschen. Und es müsste verboten werden, Brief- oder Hochzeitstauben steigen zu lassen.

Interview: Claudia Schuri

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