München – Der Aufschrei in der Bauernschaft war groß, als Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im April ankündigte, das Volksbegehren zum Artenschutz übernehmen zu wollen. Von Verrat an der eigenen Wählerschaft war die Rede, aus Wut vor dem neuen Gesetz fällten einige Bauern vorsorglich ihre Obstbäume, um zu verhindern, dass die Flächen unter Biotopschutz gestellt werden. Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) tingelte in mehreren Regionalkonferenzen durch ganz Bayern, um die Wogen wieder zu glätten. Doch bei vielen Landwirten sitzt der Groll allen Versöhnungsversuchen der Staatsregierung zum Trotz nach wie vor tief.
Nun wagt das Kabinett einen neuen Anlauf, um den Riss zwischen den Landwirten und der beim Volksbegehren besonders engagierten städtischen Bevölkerung wieder etwas zu kitten. Kaniber kündigte nach der gestrigen Kabinettssitzung eine fünf Millionen Euro schwere Image-Kampagne für die heimische Landwirtschaft an. Als „vertrauensbildende Maßnahme“ bezeichnet das die Ministerin. Der Verbraucher solle unter anderem von einer Plakataktion, die auch über sämtliche Social-Media-Kanäle ausgespielt werden soll, durchaus „peinlich berührt“ werden. Damit will die Staatsregierung den Menschen auch ihr Einkaufsverhalten vor Augen führen, das oftmals nicht zu den Umfrageergebnissen passt, in denen regelmäßig die Bereitschaft geäußert wird, für mehr Tierwohl und Regionalität auch mehr Geld auszugeben.
Neben häufigeren Besuchen von Schulklassen auf dem Bauernhof soll die Vermarktung regionaler Produkte noch stärker gefördert werden. Kaniber schwebt ein „Bayern-Regal“ in den Supermärkten vor, sodass die Kunden die Ware aus der Region nicht mühsam suchen müssen. Dafür will die Ministerin Gespräche mit dem Lebensmitteleinzelhandel führen. Zudem soll in München ein dauerhafter Schaubauernhof entstehen, und zwar im Anschluss an das Zentrale Landwirtschaftsfest, das im nächsten Jahr während des Oktoberfests wieder auf der Theresienwiese stattfindet. Ein Grundstück dafür werde noch gesucht.
Der Bauernverband reagiert reserviert auf das angekündigte Maßnahmen-Bündel. Natürlich freue man sich über jede Form der Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirte, sagte Bauernpräsident Walter Heidl, der im Anschluss an die Kabinettssitzung bei Söder zum Gespräch geladen war. Trotzdem würden derzeit nur die Landwirte ihren Beitrag zur Umsetzung des Artenschutz-Volksbegehrens leisten. Er erwarte jedoch einen Beitrag aller Menschen in Bayern, so sei das auch in dem von Alois Glück moderierten Runden Tisch zum Volksbegehren besprochen worden.
Während die Freien Wähler als Koalitionspartner das Paket begrüßen, kommt aus der Opposition deutliche Kritik. SPD-Fraktionschef Horst Arnold fordert, die Staatsregierung müsse ihre zu sehr auf Großbetriebe ausgerichtete Landwirtschaftspolitik ändern, statt teure Image-Kampagnen aufzulegen. Regionalität alleine reiche nicht, um die Artenvielfalt zu erhalten, heißt es bei den Grünen. Die AfD spricht weiter von Verrat an der Bauernschaft, daran werde auch die angekündigte Kampagne nichts ändern. dg