Wildbad Kreuth soll Luxushotel werden

von Redaktion

Wildbad Kreuth und die CSU – lange gehörte das untrennbar zusammen. Doch seit die Partei ihre Winterklausuren nicht mehr in dem ehemaligen Kurbad abhält, ist es ruhig um die alten Gemäuer geworden. Nun hat Eigentümerin Herzogin Helene neue Pläne.

VON CHRISTINA JACHERT-MAIER UND SABINE DOBEL

Wildbad Kreuth – Es war Freitag, der 19. November 1976, an dem in Wildbad Kreuth Geschichte geschrieben wurde. In einer Kampfabstimmung beschloss die CSU-Landesgruppe in ihrem Tagungsort am Fuße der Alpen, sich von der gemeinsamen Unions-Bundestagsfraktion abzuspalten. Der Trennungsbeschluss unter Franz Josef Strauß hielt zwar nur drei Wochen, dennoch ist die Entscheidung für immer mit dem ehemaligen Kurbad unweit des Tegernsees verbunden.

Nun soll aus dem langjährigen Tagungsort der CSU, in dem sie ihre legendären Winterklausuren abhielt, ein Luxushotel werden. Geplant sei ein Haus mit Tagungsräumen, einem großen Wellnessbereich und „erstklassiger Gastronomie“, mit dem Wildbad Kreuth an seine im 19. Jahrhundert begründete Tradition als Erholungsort anknüpfe, erklärt die Eigentümerin, Herzogin Helene in Bayern, die selbst einen Nebentrakt bewohnt. Sie habe am Dienstag bei der Gemeinde eine Bauvoranfrage zu der Sanierung und Erweiterung der Gebäudekomplexe eingereicht. Wenn die Pläne genehmigt würden, könnten die Arbeiten im nächsten Jahr beginnen und 2024 abgeschlossen sein.

Die Hanns-Seidel-Stiftung hatte den Pachtvertrag vor dreieinhalb Jahren auslaufen lassen, weil die Kosten erheblich steigen sollten. Seitdem stand der historische Gebäudekomplex leer. 2017 hatte die Eigentümerin aus dem Haus Wittelsbach angedeutet, ein Sanatorium einrichten zu wollen. Diese Pläne hatte sie aber nicht mehr weiter verfolgt und sich nun für ein Hotel entschieden.

„Unsere grobe Zeitplanung sieht vor, dass im Laufe des Jahres 2020 die Baumaßnahmen starten können und in einem Zeitraum von zwei bis vier Jahren abgeschlossen sein werden“, ließ die Eigentümerin mitteilten. „Das historische, markante sowie weit über Bayern hinaus bekannte kulturlandschaftsprägende Erscheinungsbild und Kennzeichen von Wildbad Kreuth bleibt vollständig erhalten.“

Der Gemeinderat von Kreuth will am Donnerstag öffentlich über die Pläne für ein Wellness-Hotel der Extraklasse beraten. Vorgestellt hatten die Herzogin und ihr Team den Entwurf bereits in einer nicht öffentlichen Sitzung am 12. September. Grundsätzlich stießen die Planungen auf Wohlwollen. „Uns ist daran gelegen, dass wieder Leben in Wildbad Kreuth einzieht“, meint Bürgermeister Josef Bierschneider.

Neben der nötigen Instandsetzung und Renovierung des „inzwischen sehr maroden Hauptgebäudes“ geht es laut der Eigentümerin um Ergänzungen und Modernisierungen. Anstatt bisher 129 Gästezimmern soll es im Hauptgebäude in Zukunft etwa 65 „zeitgemäße“ und damit auch größere Zimmer geben. Etwa 15 zusätzliche Gästezimmer sollen in einem neuen zweigeschossigen Gebäude entstehen. Ein bisher landwirtschaftlich genutztes Gebäude mit Schmiede und Werkstatt sei als Lounge für Gäste geplant, ein anderes soll Küche und Versorgungseinrichtungen beherbergen. Das Badehaus mit bislang einer Schwimmhalle und einer Sauna solle durch ein zweigeschossiges Badehaus mit Schwimmbädern und Flächen für Saunen, Massage, Wellness und Fitness ersetzt werden.

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