Das Nadelöhr wird dichtgemacht

von Redaktion

20 000 Fahrzeuge sind täglich auf der B 2 zwischen Eschenlohe und Oberau unterwegs. Doch ab Dienstag wird die Hauptroute von und nach Garmisch-Partenkirchen für fünf Tage gesperrt, um einen Schutzzaun zu errichten. Denn es herrscht akute Steinschlaggefahr.

VON CLAUDIA SCHURI

Oberau/Eschenlohe – Der Auftrag ist genauestens vorbereitet. „Ich war mehrmals vor Ort und habe alles durchgeplant“, betont Hubert Mayr. Er ist Chef der Landschaftspflegefirma Mayr aus Kochel und damit der Mann, auf dem in den nächsten Tagen im Kreis Garmisch-Partenkirchen die Hoffnungen der Pendler und Touristen ruhen.

Ab kommenden Dienstag, 8. Oktober, ist die B 2 zwischen Eschenlohe und Oberau bis Samstag, 12. Oktober, voll gesperrt. Im Anschluss ist eine halbseitige Sperrung bis Freitag, 6. Dezember, geplant. Der Grund: An einem 770 Meter langen Teilstück muss ein neuer Steinschlagschutzzaun errichtet werden.

Die Straße ist ein Nadelöhr für Autofahrer, die nach Süden oder in die entgegengesetzte Richtung nach München wollen. 20 000 Fahrzeuge sind täglich auf ihr unterwegs. Doch zur Vollsperrung gibt es keine Alternative, da zunächst 400 Bäume gefällt werden müssen.

„Die Arbeiten sind nicht leicht“, sagt Hubert Mayr, dessen Firma den Fällauftrag bekommen hat. „Es ist kein einziger Baum dabei, den man frei fällen kann.“ Hinzu käme, dass weder der bestehende Schutzzaun noch die unter Strom stehende nahe gelegene Bahnstrecke beschädigt werden dürfen. „Wir arbeiten mit Spezialmaschinen“, erklärt Mayr. Die Bäume seien teilweise bis zu 40 Meter von der Straße entfernt, nicht immer leicht zu erreichen und müssten stückweise abgetragen werden. Auch Kletterer sind im Einsatz. „Vier Fälltrupps arbeiten gleichzeitig“, sagt der Firmenchef. „Wenn nötig arbeiten wir im Schichtbetrieb 24 Stunden täglich durch.“

Mayr hofft, dass die Arbeiten schneller als geplant abgeschlossen werden können. Das zuständige Staatliche Bauamt Weilheim hat für diesen Fall einen Bonus versprochen. „Aber es hängt alles vom Wetter ab“, sagt Mayr.

Nachdem die Bäume gefällt sind, wird es eine halbseitige Sperrung mit Ampelschaltung geben, damit eine österreichische Fachfirma den neuen, vier Meter hohen Schutzzaun anbringen kann. „Er kann einen bis zu zehn Tonnen schweren Felsblock zurückhalten, der mit einer Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde herunterfällt“, erklärt Andreas Koch von der Zentralstelle für Ingenieurbau und Georisiken (ZIG), die ein geologisches Gutachten über den Straßenabschnitt erstellt hatte. Das Ergebnis war eindeutig: „Der alte Zaun war nicht mehr ausreichend. Es bestand die Gefahr, dass er durchschlagen wird.“ Für das Gutachten hatten Kletterer das Gelände untersucht und dabei viele instabile Felsblöcke entdeckt. „Durch den Frost-Tau-Wechsel entstehen Spalten in den Felsen“, erläutert Koch. Wenn Wasser darin gefriert, würde der Fels nach vorne gedrückt. „Deshalb war es wichtig, die Arbeiten noch vor dem Winter zu erledigen“, sagt Koch. Die Geologen konnten nicht alle einzelnen Felsblöcke beurteilen. Sie fanden aber einen vier Kubikmeter großen Bemessungsblock, mit dem sie eine virtuelle Steinschlagsimulation erstellten.

Die betroffenen Blöcke zu sprengen sei keine Lösung gewesen, erklärt Koch. „Eine Sicherung am Hang war nicht möglich, weil es zu viele gefährdete Stellen sind“, sagt er. „Dann hätte die B 2 sicher für ein halbes Jahr gesperrt werden müssen.“ Zudem würden durch Sprengungen neue kleine Blöcke entstehen – die irgendwann wieder zur Gefahr werden könnten. „Mit dem Zaun sind wir jetzt für die nächsten Jahrzehnte gerüstet“, betont Andreas Koch. „Er ist auf jeden Fall ausreichend dimensioniert.“

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