Freising – 795 Kilometer liegen zwischen dem Flughafen München und Bremerhaven an der Nordsee. Diese Strecke in seine Heimat wollte André Kiwitz eigentlich per Flugzeug bewältigen – ganz entspannt nach einem Wiesn-Wochenende mit Freunden.
Doch daraus wurde nichts: Die Autobahndirektion Südbayern hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zusätzliche, unangekündigte Bauarbeiten auf der A 92 haben am 30. September zu massivem Stau auf dem Flughafen-Zubringer geführt. Und so hat es Kiwitz – wie wohl viele andere auch – im Taxi nicht mehr rechtzeitig zum Flieger geschafft. Seine Lösung: Ein Leihauto, mit dem er die 795 Kilometer bis tief in die Nacht heimgetuckert ist. „Wir haben zwölf Stunden gebraucht“, sagt der 52-Jährige. Entspannt geht anders.
Das Bittere: Der Norddeutsche wollte extra auf Nummer sicher gehen. „Wir haben von den Problemen mit der S-Bahn gehört“, sagt der Chef eines Ingenieurbüros. Schließlich ist es in der ersten Wiesn-Woche mehrfach zu Ausfällen gekommen. „Deshalb sind wir mit dem Taxi zum Flughafen gefahren.“ Doch ging es nur bis Freising-Süd gut voran. Dann kam der Stau und das große Warten. Wegen Sanierungsarbeiten waren zwei der drei Spuren gesperrt.
„Wir mussten am Sonntag reingehen“, sagt Josef Seebacher, Sprecher das Autobahndirektion Südbayern. Für die Erneuerung der Fahrbahn braucht es nach seinen Worten ideale Bedingungen: Temperatur und Luftfeuchtigkeit sollten exakt stimmen. Bereits im August habe es einen ersten Versuch gegeben, bei dem es nicht so gut lief. Deshalb sei in der Früh ein zweiter Anlauf beschlossen worden. „Wir arbeiten manchmal schneller, als wir kommunizieren können“, erklärt Seebacher. Wichtig war bei der Entscheidung, dass der Winter naht und man lieber am Wochenende als im Berufsverkehr eine weitere Spur sperrt.
Warum das ausgerechnet während der Wiesn sein musste, dafür fehlt Frank Kuhle das Verständnis. Der Geschäftsführer von Taxi-München hat den großen Ärger mitbekommen. „Wir stehen ja mit im Stau“, sagt er mit Blick auf seine 3000 Taxifahrer. Kuhle kennt sich aus, ist seit Langem im Geschäft. Sein Eindruck: Früher habe man geschaut, Baustellen bis zum Oktoberfest wegzubekommen. „Heute macht man neue auf.“ Zum Beispiel die Laimer Unterführung, die seit Neuestem gesperrt ist.
Zwar gibt es ein Infosystem unter den Taxifahrern. Wenn es aber plötzlich neue Probleme gibt, können auch sie nur darauf reagieren. Deshalb sei es immer ratsam, genügend Zeit einzuplanen. Sonst kann es, wie im Fall des Hanseaten Kiwitz, teuer werden. Ihn hat der Stau 350 Euro für Mietwagen und Sprit gekostet. Und jede Menge Nerven dazu.