Wie das Feindbild der CSU salonfähig wurde

von Redaktion

„Jetzt verändern wir unser Bayern“: Der Landesverband der Grünen feiert 40-jähriges Bestehen

München – Lange Haare, dichte Bärte und Strickpullover – mit den Grünen zog am 12. Oktober 1986 ein völlig neues Bild in den Landtag ein. Alternativ gekleidet und mit Sonnenblumensträußen pilgerten sie nach ihrem Erfolg in Richtung Maximilianeum. Im dritten Anlauf nahmen die Grünen erstmals die Fünf-Prozent-Hürde und erreichten 7,5 Prozent. Margarete Bause, 60, war damals dabei. Sie studierte Soziologie in München und war langjährige Fraktionsvorsitzende des Landesverbandes, der vor 40 Jahren gegründet wurde und heute Jubiläum feiert.

Der Einzug sei großartig gewesen, sagt Bause, die heute im Bundestag sitzt: „Wir hatten das Gefühl: Jetzt gelingt uns alles. Jetzt bringen wir eine ganz andere Kultur in diesen Landtag, einen ganz anderen Schwung, ganz andere Themen. Jetzt verändern wir unser Bayern.“

Auch wenn die Veränderung im Landtag für viele eine Überraschung war, ganz so plötzlich kam die Entwicklung nicht. In Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen und Niedersachsen waren die Grünen bereits vertreten. Das Thema Ökologie bewegte das Land. „Es war ja das Jahr der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl“, sagt Bause. „Spätestens danach war der Zulauf zu uns riesig und auch die Erkenntnis, dass die Atomenergie nicht beherrschbar ist.“ Weil ihre Partei Atomenergie von Anfang an abgelehnt hatte, sei sie die „glaubwürdige Kraft“ gewesen, um dem Thema eine politische Heimat zu geben. Ob durch Tschernobyl, Energiewende oder die Fridays-for-Future-Bewegung – auch heute bekommen die Grünen enormen Zuwachs.

Obwohl die Grünen viel Solidarität in der Bevölkerung erfuhren, war der Einstieg in den Landtag nicht einfach. „Wir waren das Feindbild der CSU“, erinnert sich Bause. Zu Beginn habe Franz Josef Strauß die Grünen von allen öffentlichen Veranstaltungen ausgeschlossen und eine Ausgrenzungsstrategie gefahren. Neben der CSU war in der vorherigen Legislaturperiode nur die SPD im Landtag vertreten. „Von Vielfalt der politischen Landschaft konnte man da nicht sprechen.“

Verglichen mit damals hat sich die politische Arbeit heute deutlich professionalisiert. „Niemand sollte den Kopf rausstrecken, es sollte immer nur um die Sache und nur um die Inhalte gehen“, sagt Bause über die Anfänge. „Die persönliche Bekanntheit von grünen Abgeordneten oder Vorsitzenden wurde innerhalb der Partei kritisch beäugt.“ Mittlerweile werden Ideen und Konzepte mit konkreten Personen verbunden. Bestes Beispiel ist Parteichef Robert Habeck, der als Kanzlerkandidat gehandelt wird.

Dem Bundesverband, der sich im Januar 1980 bildete, waren die Bayern Monate voraus. Am 7. Oktober 1979 gründeten sie sich im Salvator-Keller auf dem Münchner Nockherberg. Hier wird heute auch das Jubiläum gefeiert. PAULA L. TRAUTMANN

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