Viele Weinfässer bleiben heuer leer

von Redaktion

Selbst der Wein kommt am Klimawandel nicht vorbei: Die Winzer gehen zwar von einer guten Wein- Qualität aus – aber die Menge ist ein Problem.

VON VANESSA KÖNEKE

Würzburg – Frische grüne Trauben und verdorrte, verschrumpelte Artgenossen rumpeln über ein Förderband bei der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Damit nur die guten in den Wein kommen, sortiert eine Kamera mit Infrarotsystem vertrocknete Beeren aus. Sie hat gut zu tun. Nach den Hitzetagen im Sommer ist laut LWG ein Großteil der Bacchus-Beeren nahezu verbrannt. Mit der Technik wolle man „retten, was zu retten ist“.

Über alle Rebsorten rechnet die LWG mit 25 Prozent weniger Ernte als 2018. Die exakte Statistik ist noch in Arbeit, aber die Weinlese ist größtenteils abgeschlossen. „Die Lese war kurz und knackig“, sagt Georg Bätz, Leiter des LWG-Instituts für Weinbau und Önologie. Vor zehn Jahren hätte sie noch bis sechs Wochen gedauert, dieses Mal nur drei. Seit Jahren beginnt die Ernte früher. Auch heuer hat die Wärme die Trauben schnell reifen lassen – aber sie hat auch etliche zerstört oder nicht groß werden lassen. „Der 2019er Weinjahrgang verspricht hervorragend zu werden – doch viele Fässer bleiben leer“, heißt es in einer Mitteilung des Würzburger Weingutes Juliusspital.

Laut Weinbauverband litten die Reben noch früher als 2018 unter Wassermangel. Dazu kamen weitere Probleme: „Durch Sonnenbrand, Trockenstress, Hagel und Spätfröste um die Eisheiligen fielen die Ernteausfälle dieses Jahr größer aus als befürchtet“, sagt der Fränkische Weinbaupräsident Artur Steinmann. Die LWG spricht von „Totalausfällen“ in einigen Regionen. Dass der Klimawandel den Weinbau verändert, merken Winzer in vielen Ländern seit Jahren. Um Einbußen vorzubeugen, versuchen manche, den Anbau in kühlere Lagen zu verlagern. Auch in Franken denkt man laut LWG darüber nach. „Aber so richtig vollzogen hat es noch niemand“, so Bätz.

Ein Sortenwechsel ist laut LWG und Weinbauverband ebenfalls noch nicht zu beobachten. Allerdings experimentiert die LWG mit südländischen Trauben wie dem Cabernet Sauvignon sowie mit alten Sorten wie dem Grünen Adelfränkisch, die zwischenzeitlich nicht mehr reif wurden. „Jetzt werden die alten Sorten wiederentdeckt.“

Schon länger setzen die Franken auf eine in Israel abgeschaute Tröpfchenbewässerung. Im September schloss der Freistaat eine weitere Kooperation mit einer israelischen Forschungseinrichtung. Zudem versucht die LWG, mit Drohnen zu erkennen, wie hoch der Trockenstress an den Reben ist. Die vor einigen Jahren aufgrund steigender Temperaturen eingewanderte Kirschessigfliege wird mit einer Art Heilerde bekämpft. „Damit erzielen wir recht gute Ergebnisse“, sagt Bätz. Zum Glück sei zu heißes Wetter auch wieder nicht gut für die Fliege.

Ein Vorteil für den fränkischen Weinbau gegenüber anderen Regionen ist der hier typische Silvaner. Er kommt mit Hitze besser zurecht als andere Sorten. „Der Silvaner gehört eindeutig zu den Klimagewinnern“, sagt Bätz. Müller-Thurgau und Riesling sind hingegen wesentlich empfindlicher. Auch der Bacchus ist gefährdet. „Spitzt sich der Klimawandel weiter zu, wird sich Franken wohl in den nächsten Jahren vom Bacchus verabschieden müssen“, heißt es von der LWG.

Doch auch bei den resistenteren Sorten kann Hitze zum Problem werden: Bei mehr Sonne steigt der Zucker- und Alkoholgehalt. Galt der Zuckergehalt bisher als Gütekriterium, fordern Verbraucher inzwischen teils zucker- und alkoholärmere Weine. Auch daher werden die Trauben früher geerntet.

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