München – Wenn sich Maria Brand übermorgen in die S-Bahn setzt und von Erding nach München fährt, wird sie schwer zu schleppen haben. Genauso wie viele andere Asylhelfer aus Bayern. Das landesweite Bündnis „Unser Veto“ hat Unterschriften gesammelt – mehr als 9000 sind es geworden. Und diese Listen wollen sie am Donnerstagmorgen beim parlamentarischen Frühstück im Landtag übergeben. Sie fordern in ihrer Petition, dass alle Asylbewerber in Bayern arbeiten dürfen – unabhängig davon, ob sie bleiben dürfen oder nach Abschluss des Asylverfahrens ausreisen müssen.
Denn noch immer sei es so, dass es von Landkreis zu Landkreis sehr große Unterschiede gebe, wie restriktiv die Ausländerbehörden Arbeitsgenehmigungen vergeben. Auch die neue Weisung, mit der das Innenministerium im Frühjahr eine Lockerung versprochen hatte, habe daran nichts geändert, berichtet Brand. Die 73-Jährige ist seit knapp drei Jahrzehnten Asylhelferin, viele Jahre davon hauptamtlich in großen Einrichtungen in München. Doch selten war sie in dieser langen Zeit so frustriert wie momentan. Und sie ist nicht die einzige Asylhelferin in Bayern, der es so geht. „Viele Helferkreise sind mittlerweile um die Hälfte geschrumpft“, sagt sie. Ehrenamtliche müssen dabei zusehen, wie Flüchtlinge, die sie erfolgreich in Unternehmen vermittelt haben, ihre Arbeitsstellen oder zugesicherten Ausbildungsverträge wieder verlieren, berichtet Brand. „Und wir können ihnen nicht mal erklären, wieso.“
Maria Brand könnte von vielen Fällen berichten. Da ist zum Beispiel ein junger Afghane, der vor zwei Jahren seine Arbeitsstelle bei einer Sicherheitsfirma verloren hatte, weil er keine Arbeitserlaubnis mehr bekam. Auch der Deutschkurs wurde ihm gestrichen, während sein negativer Asylbescheid vom Verwaltungsgericht geprüft wurde. Nun hat das Gericht die Bamf-Entscheidung korrigiert. Der Mann darf in Deutschland bleiben. Doch er steht wieder bei null – weil er die vergangenen zwei Jahre tatenlos in der Unterkunft abwarten musste. „Ich kenne viele Flüchtlinge, die über Jahre auf eine endgültige Entscheidung warten und solange nichts tun dürfen“, sagt Brand. Sie sind auf das Geld vom Staat angewiesen, statt ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Maria Brand kann diese so strenge bayerische Regelung nicht nachvollziehen. „In den 90er-Jahren waren viele Menschen aus Bangladesch als Asylbewerber hier“, erzählt sie. „Die meisten von ihnen mussten nach einigen Jahren zurückkehren – aber sie sind nicht als Verlierer zurückgekehrt, weil sie bis dahin arbeiten durften.“ Einige von ihnen seien sogar freiwillig zurückgekehrt, weil sie Geld verdient hatten, um ihre Familien zu unterstützen.
Die Asylhelfer haben sich deshalb im Mai entschieden, einen Appell an Bayerns Politiker zu richten. Seitdem haben sie Unterschriften gesammelt – und das ganz bewusst nicht online, sondern in Fußgängerzonen, auf Marktplätzen oder bei Volksfesten. „Wir wollten nicht, dass nur die Menschen unterschreiben, die das Problem sowieso schon erkannt haben“, erklärt Brand. „Uns war es wichtig, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen.“ Deshalb haben die Helfer auch eine Umfrage gestartet – mit mehr als eindeutigem Ergebnis, berichtet Brand. Mehr als 90 Prozent der Befragten seien der Meinung, Asylbewerber sollten auch während des laufenden Verfahrens arbeiten dürfen – unabhängig von ihrer Bleibeperspektive. „Auch dieses Ergebnis wollen wir den Landtagsabgeordneten mitteilen“, sagt sie.
In der Petition fordert das Bündnis unter anderem Bestandsschutz für bestehende Beschäftigungserlaubnisse und dass Praktika in Betrieben künftig auch ohne Genehmigungen der Ausländerbehörden möglich sind. Betätigungen bei Wohlfahrtsverbänden gegen eine Aufwandsentschädigung sollen grundsätzlich erlaubt werden, fordern die Asylhelfer. Bisher gibt es sogar dabei Probleme. „Wir hatten kürzlich einen Fall von einem Afghanen, der einen Wohlfahrtsverband bei der Versorgung von Menschen mit Behinderung unterstützt hat“, berichtet Brand. „Sogar das wurde ihm verboten.“ Sie hofft, dass sich durch die Petition etwas ändert. Bevor der Frust noch größer und die Helferkreise noch kleiner werden.