Die Festspiele feiern Geburtstag

von Redaktion

JUBILÄUM IN WEILHEIM Seit 20 Jahren mit anspruchsvollem Spielplan auf Erfolgskurs

Weilheim – Am Anfang der „Weilheimer Festspiele“ stand ein jähes Ende. Ein Türknall hatte 1998 den Abschied des Vorgängers eingeläutet, des „Weilheimer Theatersommers“, mit dem Intendantin Cordula Trantow elf Sommer lang das Weilheimer Stadttheater belebt hatte. Doch angesichts einer freizügigen Walpurgisnachtszene in Goethes „Faust“ und darin mittanzender Kinder verließ Weilheims damalige Bürgermeistergattin im Sommer 1998 mit einem Türknall das Theater.

Nur ein Jahr später aber entstand Neues: Mit einem gewitzten und bejubelten „Brandner Kaspar“ feierten 1999 die „Weilheimer Festspiele“ Premiere. Der Weilheimer Bühnenbildner Andreas Arneth, schon beim „Theatersommer“ aktiv, und die Münchner Schauspielerin und Regisseurin Yvonne Brosch stellen seitdem zwei ambitionierte Eigenproduktionen pro Jahr auf die Bühne. Heuer feiern sie das 20-jährige Bestehen ihrer Reihe.

Anders als die Vorgängerin heuerten Brosch und Arneth nicht Stars an, bildeten aber ein Ensemble von Profischauspielern, die immer wieder gern nach Weilheim kommen. Auch vielversprechende Talente sind hier zu entdecken, denn mit dem Lore-Bronner-Preis, den der Bezirk Oberbayern jährlich an „außergewöhnlich begabte Jungschauspieler“ vergibt, ist stets ein Engagement bei den „Weilheimer Festspielen“ verknüpft.

Und: Die Festspielmacher binden Laienschauspieler mit ein, was hin und wieder auch große Produktionen wie Brechts „Mutter Courage“, Kleists „Zerbrochenen Krug“ oder die unsterbliche Pennäler-Komödie „Die Feuerzangenbowle“ erlaubt. 39 Produktionen gab es bisher, von Goethes „Urfaust“ und Schillers „Räuber“ über Molière bis zu Horváths „Kasimir und Karoline“ und Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“.

Zum klassischen Spielplan tritt zunehmend auch Modernes wie das Gerichtsdrama „Die zwölf Geschworenen“ oder Stephen Kings Thriller „Misery“. Und am Jahresende – die Silvestervorstellung ist stets Monate vorher ausgebucht – gibt’s auch mal leichte Unterhaltung wie „Arsen und Spitzenhäubchen“.

Brosch inszeniert meist selbst, Arneth besorgt Bühnenbild und Ausstattung, zudem stemmt das Duo die komplette Organisation. „Das ist unser Leben“, erklärt Arneth, „und das, was wir lieben.“ Im Weilheimer Stadttheater organisiert das Duo außerdem noch eine kleine „Off-Theater“-Reihe, bei der das Publikum moderne Stücke direkt auf der Bühne miterlebt. Und gemeinsam mit dem Verein „Freunde des Weilheimer Theaters“ holt man jährlich zwei hochkarätige Gastspiele, zum Beispiel vom Theater Regensburg.

Die „Weilheimer Festspiele“ selbst haben einen Stamm von 4000 bis 5000 Zuschauern, davon über 400 Abonnenten; pro Produktion gibt es meist acht bis zehn Vorstellungen. Zum 20-jährigen Bestehen erlauben sich Arneth und Brosch heuer erstmals zwei Wiederholungen. Ab 18. Oktober ist die unsterbliche bayerische Komödie zu sehen, mit der 1999 alles begann: „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“. Spielort des ersten Festspiels im Jubeljahr ist ausnahmsweise Weilheims Große Hochlandhalle. Das zweite Jubiläums-Festspiel führt dann wieder ins Stadttheater: Dort gibt’s im Dezember – wie bereits 2004 – „Die Feuerzangenbowle“, samt Livemusik aus dem Orchestergraben.

MAGNUS REITINGER

Karten

gibt es im Rathaus Weilheim sowie per telefonischer Reservierung: 0151/56570359. Weitere Infos: www.weilheimer-festspiele.de.

Artikel 1 von 11