Woran das BOB-Netz krankt

von Redaktion

Zu volle Züge, zu wenige Züge – das Ausflugswetter am vergangenen Wochenende hat einmal mehr gezeigt, wie begrenzt die Möglichkeiten der Bayerischen Oberlandbahn sind. Pläne zum Ausbau nehmen nur langsam Fahrt auf.

VON DIRK WALTER

München/Miesbach – Auch BOB-Lokführer Thomas Hindelang, der für seine launigen Ansagen schon als „Eisenbahner mit Herz“ ausgezeichnet wurde, war am Sonntag auf der Strecke. Er hat ein Herz – für die Passagiere. „Die Züge waren proppenvoll“, sagt Hindelang. Nach Auskunft der BOB waren „doppelt so viele Fahrgäste“ in den Zügen wie an einem normalen Wochenende. Nur mit drei Bussen konnte man dem Andrang auf der Schlierseer Strecke halbwegs Herr werden. Dass die BOB ausgebaut werden soll, sagt in der Region jeder. Aber konkrete Planungen sind unterschiedlich weit fortgeschritten.

Neue Züge

Die BOB fährt derzeit mit 17 Zügen des Typs Integral sowie neun Zügen des Typs Talent, beide Zugtypen sind nicht miteinander kuppelbar. Das setzt dem Alltagsbetrieb enge Grenzen. Ab Mitte 2020 ist Besserung in Sicht. Dann wird die Zugflotte nach und nach ausgetauscht – die alten Züge werden durch den Zugtyp LINT 54 des Herstellers Alstom Conradia ersetzt. Insgesamt 31 Züge sind geordert – also fünf mehr als bisher.

Allerdings munkeln BOB-Bedienstete schon über die begrenzte Kapazität der neuen Züge. In der Tat: Der Integral hat 164 Sitz- und 200 Stehplätze. Der LINT ist aus technischen Gründen 20 Zentimeter schmäler als der Integral, was Abstriche bei der Kapazität bedeutet. Es gibt laut BOB 150 Sitzplätze sowie 163 Stehplätze – also insgesamt 50 Plätze weniger als im Integral.

Dafür gibt es sechs Züge mehr. Weil künftig nur ein Zugtyp im Einsatz ist, fällt das für die BOB typische Kuppeln und Flügeln leichter. Auch die neuen Züge sind Diesel-getrieben, umweltfreundlicher als bisher mit ADBlue-Technik. Die BOB ist selbst nicht ganz zufrieden. „Wir haben immer gesagt, dass das nur eine Zwischenlösung bis zur Elektrifizierung sein kann“, betont Sprecher Christopher Raabe.

Elektrifizierung

Die Elektrifizierung wird seit Langem gefordert. Im Juni ging es bei einem Termin mit Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) in Holzkirchen immerhin einen ersten Schritt voran. Der Freistaat billigte 3,4 Millionen Euro, damit mit der Planung begonnen werden kann. „Die DB arbeitet derzeit an der Festschreibung der sogenannten Betrieblichen Aufgabenstellung“, teilt das Verkehrsministerium mit. Das ist quasi ein Fahrplan für die Planer. So wird derzeit festgelegt, für welche Züge und welche Geschwindigkeiten die künftige Oberleitung ausgelegt werden muss. Das dauert: Ursprünglich sollte die Ausschreibung der Planung Ende 2019 vorbereitet sein, jetzt heißt es Mitte 2020. Geld für das Aufstellen von Strommasten und das Ziehen von Fahrdraht ist auch noch nicht vorhanden. Hier ist der Bund gefordert. Man rechnet überschlägig mit einer Million Euro je Kilometer – bei 84 Kilometer nicht elektrifizierter Strecke also 84 bis maximal 100 Millionen Euro. Ein Enddatum für den Bau der Elektrifizierung wird noch nicht genannt – Ende des kommenden Jahrzehnts, heißt es.

Streckenausbau

Ab Holzkirchen südwärts sind die BOB-Strecken nur eingleisig. Es gibt an einigen Bahnhöfen Überhol- und Ausweichgleise, allerdings nicht auf dem langem Stück zwischen Schliersee und Bayrischzell, dem „Hotspot“ vom Sonntag. Dort ist mangels Ausweichstelle auch kein Halbstunden-Takt möglich. Sinnvoll wäre ein Ausweichgleis in Fischbachau, geplant ist das nicht. Von und nach Bayrischzell fuhren am Sonntag daher insgesamt nur 37 Züge, nach Lenggries und Tegernsee waren es 45. Auch am Zweig Richtung Tegernsee wäre eine Ausweichstelle in Moosrain sinnvoll, sagt der Geschäftsführer der Tegernseebahn, Heino Seeger. „Doch das werde ich nicht mehr erleben.“

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