München – „Francisella tularensis“ heißt das kleine Stäbchenbakterium, das derzeit vielen bayerischen Feldhasen zu schaffen macht. Der Erreger kommt vorwiegend bei wildlebenden Nagetieren vor, also bei Feldhase, Kaninchen, Eichhörnchen und Co. Sind die Tiere einmal infiziert, endet das für sie oft tödlich. Sie magern ab, werden apathisch – und können an Entkräftung sterben.
Aber auch auf Hunde und Menschen kann die Tularämie, wie die Hasenpest im Fachjargon heißt, übertragen werden. Direkter Kontakt zu einem infizierten Tier reicht aus. Die Symptome bei erkrankten Menschen sind ähnlich wie bei einer Grippe: Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Schüttelfrost. Im Kreis Freising ist im August ein Privatjäger an der Tularämie erkrankt – der zweite Fall heuer in Oberbayern. Die Ursache war laut Angaben des Landratsamtes wohl ungeschützter Kontakt mit einem toten Kaninchen. Der Mann ist mittlerweile wieder gesund, die Krankheit kann mit einem Antibiotikum behandelt werden.
Doch die Zahl der gemeldeten Hasenpest-Fälle bei Tieren reißt nicht ab. Im Kreis Freising wurde in diesem Jahr schon bei sieben Hasen der Erreger nachgewiesen. Im Kreis Landshut hat eine Jägerin kürzlich einen infizierten Hasen gemeldet. Und im Kreis Fürstenfeldbruck sind die jüngsten Fälle erste wenige Tage alt – zwei in Esting, zwei im Raum Olching/Puchheim. Die Veterinärämter gaben Warnungen aus: Die toten Tiere sollten nicht angefasst, Hunde nicht in deren Nähe gelassen werden.
Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat heuer bislang zehn Tularämie-Fälle am Menschen in Bayern verzeichnet. Und bis Ende August 20 positive Untersuchungen bei Feldhasen. Die Krankheit ist in Europa schon seit den 1930er-Jahren dokumentiert. Dass in den vergangenen Jahren mehr Fälle dokumentiert werden, machen Experten auch daran fest, dass die Menschen sensibler geworden sind und mehr Verdachtsfälle melden.
Durch den regelmäßigen Kontakt mit Wildtieren sind Jäger, Tierärzte und Landwirte besonders exponiert. Der Bayerische Jagdverband mahnt deshalb zu angemessener Hygiene bei der Jagd. „Wenn ein Hase geschossen oder ein totes Tier gefunden wird, sollten die Jäger Einweghandschuhe und Mundschutz verwenden“, sagt Thomas Schreder vom Jagdverband. Wird das Tier ausgenommen, lässt sich eine Infektion an Organen wie Milz, Leber und Lymphknoten erkennen. „Die Fälle müssen beim Veterinäramt gemeldet werden.“
Im Kreis Erding ist zwar noch kein Fall bekannt. Hier wurden aber aus Angst um die Hunde schon erste Treibjagden abgesagt – gerade geht die Schonzeit für Feldhasen zu Ende. Eine grundsätzliche Empfehlung will Schreder hier nicht geben. „Der Revierleiter kennt die Gegebenheiten am besten, er muss das entscheiden.“ Aber Schreder glaubt, dass noch mehr Hasenpest-Fälle zum Vorschein kommen werden, wenn nach und nach die Felder abgeerntet werden.
Deshalb sollten auch Pilzsammler oder Spaziergänger mit Hund Vorsicht walten lassen. „Wer einen toten Hasen findet, sollte ihn auf keinen Fall anfassen“, rät Schreder, sondern den zuständigen Jäger oder die Veterinärbehörde informieren. Hunde sollten rund um die betroffenen Gebiete zudem nicht unbeaufsichtigt durch die Felder laufen. „Wer weiß, wo der Hund sonst seine Nase reinsteckt.“