Schliersee – Diesen Ausflug haben sich Thomas Steiner (53) und sein Mann Andrew Gee (51) anders vorgestellt: Die beiden waren am Sonntag am Schliersberg (Kreis Miesbach) und wollten mit der Sommerrodelbahn zurück ins Tal fahren. Es war ein schmerzhafter Spaß. „Trotz vorsichtiger Fahrt haben wir uns beide schwere Hautabschürfungen und Verbrennungen zugezogen“, erzählt Steiner. „Dabei waren wir nicht schnell unterwegs.“ Dennoch seien sie mit ihren Beinen und Armen während der Fahrt seitlich an der Bahn entlanggeschliffen.
Der Münchner weist darauf hin, dass andere Gäste im Internet von ähnlichen Erfahrungen berichten. Auch sein Nachbar hätte sich an der Bahn schon verletzt und eine Kellnerin in einem lokalen Restaurant hätte die Gefahr ebenfalls bestätigt. Jetzt möchte Steiner warnen: „Ich kann nur jedem raten, nicht mit der Rodelbahn zu fahren.“ Seine Forderung: „Die Bahn muss geschlossen werden, bevor sich noch mehr Leute verletzen.“
Ingo Bauer, Geschäftsführer der Schliersbergalm, widerspricht den Vorwürfen. Er betont, dass die Bahn aus den 70er- Jahren instand gehalten werde. „Alle zwei Jahre kommt der TÜV“, sagt er. „Und wir machen tägliche Sichtkontrollen.“
„Bei der Prüfung geht es um die technische Sicherheit und die korrekte Beschilderung“, sagt Thomas Oberst. Den letzten Test hätte die Schliersbergbahn bestanden. „Und es sind dort viele Warnungen angebracht.“
Die Schliersbergbahn ist laut Betreiber keine schienengebundene Bahn, sondern eine Sportbahn. „Die Schlitten sind nicht fest mit den Schiene verbunden“, erklärt er. „Durch zu schnelles Fahren oder eine falsche Gewichtsverlagerung kann es sein, dass sie kippen.“ Da käme es auf die Eigenverantwortung der Besucher an. „Man darf sich nicht überschätzen“, sagt Bauer, „und man sollte sich mit langen Hosen und Shirts schützen.“ Vergangenes Wochenende hätten rund 1000 Ausflügler die Bahn genutzt, berichtet er. „Wir wissen nur von diesen beiden Verletzten.“ Ein Restrisiko bleibe immer: „Das ist wie bei jeder anderen Sportart auch.“
Auch die Gemeinde Schliersee sieht keinen Bedarf, an der Schliersbergbahn etwas zu ändern. „Sie hat eine sehr eingeschworene Fangemeinde“, sagt Geschäftsleiter Jörn Alkofer. „Alle Sicherheitsbestimmungen werden eingehalten.“ CLAUDIA SCHURI