München – Der Jahresabschluss der Bayerischen Staatsforsten war in den vergangenen Jahren immer ein guter Tag für den Finanzminister. In schöner Regelmäßigkeit überwiesen die Staatsforsten als Anstalt des öffentlichen Rechts einen großen Teil ihres oft zweistelligen Millionen-Gewinns an den Freistaat. Damit ist nun Schluss. Einerseits, weil Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Sinne des Waldumbaus beschlossen hat, sämtliche Gewinne der Staatsforsten wieder in die Wälder zu investieren. Aber andererseits auch, weil Deutschlands größter Forstbetrieb derzeit so gut wie keinen Gewinn macht. Im vergangenen Geschäftsjahr blieben am Ende schmale 1,2 Millionen Euro übrig. Im Vorjahr waren es noch 53 Millionen Euro.
Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) sprach bei der Vorstellung der jüngsten Bilanz von „extrem schwierigen Rahmenbedingungen“. Hoher Borkenkäferbefall, Schneebruch in extremem Ausmaß und anderweitige Waldschäden setzen den Holzmarkt gewaltig unter Druck. Die Staatsforsten schlugen mit 4,34 Millionen Festmetern weniger Holz ein, als möglich gewesen wäre. „Wir wollen kein gutes Holz auf einen schlechten Markt mit schlechten Preisen werfen“, sagte Staatsforsten-Vorstandschef Martin Neumeyer.
Negativ auf die Bilanz wirken sich auch die anhaltend niedrigen Zinsen aus. Welche Folgen das hat, zeigt sich am Beispiel der Pensionsrückstellungen. Die stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 52 Millionen Euro, davon allein 41 Millionen Euro wegen der niedrigen Zinsen, wie Kaniber erklärte.
Als Hauptursache für die missliche Lage bezeichnen sowohl Neumeyer wie Kaniber aber den Klimawandel. Auf 80 Millionen Euro taxiert Neumeyer die Schäden durch die globale Erwärmung. Dabei rechnen die Staatsforsten etwa die vielen Stunden zur Borkenkäferbekämpfung, die Schadholzernte und die aufwendige Zwischenlagerung mit ein. Um diese Schäden in Zukunft im Rahmen zu halten, will Neumeyer den Umbau von reinen Nadel- in Mischwälder in den Staatsforsten beschleunigen. Statt im Jahr 2035 soll der Waldumbau fünf Jahre früher abgeschlossen sein. „Das ist eine gewaltige Aufgabe“, gibt der Vorstandschef zu. Aber es führe kein Weg daran vorbei, noch stärker auf andere Baumarten wie Tannen und Eichen, aber auch auf neue Baumarten wie Atlaszeder oder Baumhasel zu setzen. Auch das von Ministerpräsident Söder angekündigte Projekt von 30 Millionen neu gepflanzter Bäume in den nächsten fünf Jahren soll noch heuer anlaufen – zunächst in besonders geschädigten Wäldern etwa in Franken oder im Bayerischen Wald.
Im Rahmen des Begleitgesetzes zum Artenschutzbegehren hat die Staatsregierung zudem ein großes Schutzgebiet im Auwald angekündigt. Kaniber konkretisierte gestern die Pläne. Demnach sollen im Norden Oberbayerns entlang der Donau zwischen Lechmündung und Neuburg Staatswälder im Umfang von knapp 1000 Hektar dauerhaft unter Schutz gestellt werden. Dort werde künftig keine forstliche Bewirtschaftung und keine Holzentnahme mehr stattfinden.
Neumeyer betonte mit Blick auf die natürliche Waldverjüngung auch, wie wichtig eine effektive Jagd sei, um die jungen Bäume vor hungrigem Rehwild zu schützen. Dazu hat auch der Bayerische Jagdverband jüngst ein eigenes Positionspapier veröffentlicht. Die Jäger sprechen sich darin etwa für Ruhezonen im Wald aus, in denen das Wild nicht gestört wird. Auch Einzelschutz für nicht heimische Baumarten ist Teil des Konzepts. Das ist bei Waldbesitzern nicht unumstritten, die sich stattdessen immer wieder für höhere Abschusszahlen aussprechen, um so für weniger Verbiss an den jungen Bäumen zu sorgen. Hier hat der Jagdverband eine klare Meinung: „Verbiss schadet dem Klimawald nicht, im Gegenteil“, heißt es in dem Positionspapier. Hartmut Wunderatsch vom Jagdverband sagt: „Verbissene Bäumchen bilden ein starkes Wurzelwerk aus, das später große breite Kronen tragen kann, und die leisten eine höhere CO2-Assimilation als die schlanken Wirtschaftswaldbäume mit ihren kurzen Pinselkronen.“
Forstministerin Kaniber entgegnet darauf nur, dass der Grundsatz „Wald vor Wild“ weiter bestehen bleibe. Mit Blick auf die nächsten Jahre sagt die Ministerin: „Ich hoffe, dass die Talsohle bald durchschritten ist.“ Neumeyer zeigt sich zumindest vorsichtig optimistisch. „Wenn unsere Waldschutz-Maßnahmen erfolgreich sind, werden wir auch bald wieder gesundes Holz zu fairen Preisen verkaufen können.“