München/Berlin – In mehreren Bundesländern sind Neuntklässler in den vergangenen Jahren in Mathematik, Biologie, Chemie und Physik zurückgefallen – aber „in Bayern und Sachsen gelingt es durchgängig besonders gut, die Regel- und Mindeststandards zu sichern“. Das ist das Ergebnis einer groß angelegten Studie „IQB Bildungstrend 2018“ im Auftrag der Kultusministerkonferenz, die in Berlin vorgestellt wurde. Schulartübergreifend schneiden die bayerischen Schüler in Mathematik sowie in Physik, Biologie und Chemie stark ab: In den insgesamt sieben untersuchten Kategorien landen sie sechs Mal auf Platz 2 und einmal auf Platz 3. Dabei konnte Bayern sich gegenüber 2012 als eines der wenigen Bundesländer verbessern – in Mathematik von Platz 4 auf 2, in den Naturwissenschaften in drei Kategorien von Platz 6 auf Platz 2, in zwei Kategorien von Platz 7 auf Platz 2 und in einer Kategorie von Platz 7 auf Platz 3.
Bundesweit ist das Ergebnis nicht so berauschend: In Mathe schafften nur drei Viertel der bundesweit getesteten über 44 000 Schülerinnen und Schüler in Klasse 9 den Mindeststandard für die Mittlere Reife. In Sachsen verfehlten ihn 14 Prozent der Schüler, in Bayern 17,2 – aber 40,6 Prozent in Bremen und 31,2 Prozent im Saarland. Ein positiver Trend zeigt sich in Bayern auch im Fach Physik. Insgesamt aber sind die Ergebnisse ernüchternd: „Wir haben kaum positive Trends zu verzeichnen“, stellte Studienleiterin Petra Stanat vom Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) fest. Ein Grund könnte sein, dass die Klassenzusammensetzung heterogener geworden ist. So gibt es mehr Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Regelschulen als früher. Auch der Anteil der Schüler aus zugewanderten Familien ist seit der letzten Studie 2012 um sieben Prozent auf nun ein Drittel gestiegen.
Heinz-Peter Meidinger vom Deutschen Lehrerverband erklärte, die Ergebnisse seien ein Grund zur Sorge – vor allem die neuen Bundesländer (außer Sachsen) hätten sich verschlechtert. In Bayern und Sachsen sei auffallend, dass hier kaum am Schulsystem „herumexperimentiert“ worden sei. Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) regte eine mögliche Rückkehr zur Empfehlung der Grundschulen für eine bestimmte weiterführende Schulart an (so wie in Bayern). Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (FW) sagte zufrieden, die guten Ergebnisse seien auch auf das differenzierte Bildungssystem zurückzuführen. dw/dpa