DIE ARTENKENNER

Der Fledermaus-Flüsterer

von Redaktion

Alle reden über das Artensterben. Wichtig sind dabei die Artenkenner, die feststellen, welche Tiere oder Pflanzen immer weniger werden. Doch auch diese Artenexperten sind vom Aussterben bedroht. Nun stellen wir einige von ihnen in unserer neuen Serie vor, samt ihrer Lieblingsart. Heute: Friedrich Oehme und die Fledermaus.

Sie sind unstete Tierchen, die Fledermäuse. Sie flattern hin und her in der Dämmerung, so schnell, dass man sie kaum mit bloßem Auge erkennen kann – und hören kann man sie schon gleich gar nicht. Nur mit perfektem Hörvermögen hat man eine Chance, die „Soziallaute“ zu hören, damit verständigen sich die Fledermäuse untereinander, mit einem zarten Krähen oder Sirren. Die Ortungsrufe dagegen, mit denen die Fledermäuse Beutetiere oder Hindernisse erkennen, sind für unsere Ohren nicht zu erfassen. Auch für Artenkenner ist es also schwer, die Tiere zu orten. Doch glücklicherweise gibt es mittlerweile einen „Batcorder“.

Das Gerät nimmt die Rufe der Tiere auf, man kann sie in einen Computer einspeisen, und eine Software kann dann die Rufe erkennen und den einzelnen Arten zuordnen. Genau mit solchen Geräten sind auch Friedrich Oehme und seine Kollegen vom „Fledermaus-Monitoring“ in Forchheim ausgestattet. Damit haben sie den gesamten Landkreis abgehorcht, und festgestellt, dass dort 18 verschiedene Arten heimisch sind: zum Beispiel die Mückenfledermaus, der Abendsegler und die Hufeisennase. „Das ist eine enorme Vielfalt“, erklärt der Geschäftsführer des Bund Naturschutz Forchheim begeistert.

Dabei hat den 80-Jährigen der Artenschutz recht spät gepackt. Erst mit über 40 Jahren fand der damalige Professor für Technische Elektronik Geschmack an der Natur. Die Fledermäuse haben ihn dabei besonders fasziniert, wegen „ihrer Ungewöhnlichkeit: Es sind Säugetiere, die fliegen. Doch sie haben keine Federn, sondern weiches Fell – sie sind so geheimnisvoll.“ Und leider auch sehr gefährdet. In den 60er- und 70er-Jahren gingen die Populationen extrem zurück, denn das Wirtschaftswunder brachte zu viele fledermaus-untaugliche Veränderungen mit sich: intensivierte Landwirtschaft samt Insektensterben, sanierte Dachböden ohne Schlupflöcher, aufgeräumte Wälder ohne Totholz. Erst seit dem Ende der 80er-Jahre änderte sich die Einstellung gegenüber den sensiblen Tieren, ihr Schutz wurde zum Thema. Zu der Zeit tat sich Oehme mit einem Kollegen, dem Biologen Otto von Helversen, zusammen, und entwickelte ein Gerät, das die Fledermausrufe aufnehmen konnte. Der Urtyp des Batcorders, sozusagen – und ein wichtiger Schritt für den Fledermaus-Schutz.

So kann Oehme heute mit dem hochentwickelten Batcorder klugen Artenschutz betreiben, nämlich genau feststellen, wo welche Fledermäuse leben, und dann dafür sorgen, dass ihr Lebensraum genau so erhalten bleibt. „Denn das ist das Ziel des Artenkenners“, erklärt Oehme: „Dass die Art, die er liebt, auch weiterleben kann.“ NINA PRAUN

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