Ohlstadt – Würde Kommandant Florian Krammer seinen Leuten von der Feuerwehr Murnau dieses Szenario für eine Notfallübung vorschlagen, sie würden alle den Kopf schütteln, sagt er am Sonntag: Zu unrealistisch, zu filmreif. Am Samstag beim Absturz eines Segelflugzeugs aber wurde genau dieser Notfall zur Realität. Krammer spricht von einem „außergewöhnlichen Einsatz für uns alle“. Es dauerte mehrere Stunden, bis es den Rettungskräften am Samstagnachmittag gelang, einen 60-jährigen Fluglehrer aus dem Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen und dessen 14-jährige Flugschülerin aus den Baumwipfeln zu retten. Das Gelände bei Pömetsried nahe Ohlstadt (Kreis Garmisch-Partenkirchen) war unwegsam und nur zu Fuß zu erreichen, das Flugzeug hing kopfüber in gut zwölf Metern Höhe im Geäst.
Sämtliches Gerät inklusive Motorsägen und Leitern mussten Feuerwehr, Bergwacht und Rettungsdienst zur Unfallstelle schleppen. Zunächst galt es, das absturzgefährdete Flugzeug abzusichern. Danach wurden der Pilot und die Flugschülerin in zwölf Metern Höhe notärztlich stabilisiert und abgeseilt. Die leicht verletzte Schülerin war die ganze Zeit ansprechbar und kam als Erste herunter. Der erheblich verletzte Pilot bereitete den Rettern große Sorgen, er verlor zwischendurch das Bewusstsein.
In diese höchst gefährliche Lage waren die beiden geraten, als das Segelflugzeug mit einer Tragfläche die rund 25 Meter hohen Baumwipfel streifte. Warum der Übungsflug am Samstag bei klarer Sicht schief ging, ist bislang unklar. Einige Menschen hatten vom Flugplatz aus den Unfall beobachtet und sofort die Rettungsleitstelle informiert. „Wir sind froh, dass nicht noch mehr passierte und hoffen, dass die Verletzten bald wieder auf die Beine kommen“, sagte Flugplatzsprecher Martin Woertler gestern. Der schwer verletzte Fluglehrer, der beim Unfall hinten gesessen hatte, war am Sonntag operiert worden. Der 60-Jährige ist laut Flugplatzsprecher ein erfahrener Fluglehrer. Der Unfall wird nun von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung und der Polizei Murnau untersucht. Zwischenzeitlich wurde auch die Maschine geborgen.
Die Mitglieder der Sportfliegergruppe Werdenfelser Land waren am Sonntag geschockt. Der Ort Murnau präsentiert den Verein mit 120 aktiven Mitgliedern auf seiner Internetseite. Nahe Ohlstadt ist das Segelflugzentrum erst seit acht Jahren. Früher ließen sich die Werdenfelser Segelflieger direkt vom Murnauer Moos bei Eschenlohe hoch hinaus in die großartige Landschaft in den Alpen schleppen. Aus Umweltschutzgründen zog der Flugplatz dann 2011 weg aus dem Murnauer Moos nach Pömetsried bei Ohlstadt.
Dass die Flugschülerin, die in dem abgestürzten Segelflugzeug saß, erst 14 Jahre alt war, ist nicht ungewöhnlich. Fliegen lernen kann in Ohlstadt in den zwölf vereinseigenen Maschinen jeder zwischen 13 und 70 Jahren – Voraussetzung ist eine fliegerärztliche Untersuchung. Mit 17 Jahren können Flugschüler dann die Prüfung für den Luftführerschein ablegen. Derzeit gibt es in Ohlstadt 20 Flugschüler.