Österreichs Geburtsurkunde in Bayerns Hand

von Redaktion

Kulturexport nach Österreich: Für eine Woche verleiht das Bayerische Hauptstaatsarchiv ein Dokument mit über 1000-jähriger Geschichte an Wien. Bei der Gründungsurkunde Österreichs kommt es einzig und allein auf ein Wort an.

VON DIRK WALTER

München – Gedämpftes Licht, eine braune Urkunde mit kaum lesbarer Schrift hinter Glas – „hier sehen Sie das gute Stück“, begrüßt Archivdirektor Bernhard Grau launig. Österreichs Identität hängt, wenn man so will, an einer Urkunde, die aus Bayern stammt. Im Jahr 996 übertrug Kaiser Otto III (983-1002) dem Freisinger Bischof Gottschalk das Eigentum an einem Fronhof und 30 Königshufen – etwa 300 Hektar Land – in der Gegend von Neuhofen an der Ybbs, heute Niederösterreich. Auf der Urkunde, die auf einer Tierhaut, vermutlich Schaf, mit Tinte ausgefertigt wurde, taucht das entscheidende Wort auf: Ostarrichi. Es ist die erste bekannte Erwähnung des Begriffs Österreich überhaupt und für die Alpenrepublik identitätsstiftend, wie Monika Sommer vom „Haus der Geschichte Österreich“ in Wien sagte. Die Urkunde wurde im Zuge der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts vom Archiv des Hochstifts Freising in den Staatsbesitz überführt und gehört seitdem Bayern.

Nun geht das Dokument auf Reisen. Ab Samstag, dem österreichischen Nationalfeiertag, wird es eine Woche lang im Rahmen der Wiener Ausstellung „Aufbruch ins Ungewisse. Österreich seit 1918“ gezeigt. Der Transport in einer Klimakiste ist nicht unkompliziert, schließlich muss die Urkunde eigentlich bei maximal 55 Prozent Luftfeuchtigkeit und 15 bis 18 Grad Raumtemperatur im Dunkeln verwahrt werden. Daher gibt Archivchef Grau das Dokument auch nur eine Woche her – dann wandert es zurück ins Magazin des Münchner Archivs.

Übrigens: Es gibt noch eine weitere Urkunde, auf der Ostarrichi erwähnt wird. Sie ist nur eineinhalb Jahre jünger „und liegt auch bei uns“, wie Grau lächelnd sagte.

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