München – „Wohnen für alle“ hieß das Projekt der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag, das bundesweit für Furore gesorgt hat. In nur 180 Tagen Bauzeit entstand über den Parkplätzen des Münchner Dantebads eine über 100 Meter lange Beton- und Holzkonstruktion – vier Stockwerke, 100 Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen für Geringverdiener. 2017 wurden die ersten Wohnungen bezogen – und der Münchner Architekt Florian Nagler erhielt sogar den „Deutschen Bauherrenpreis 2018“ für die ungewöhnliche Konstruktion.
Das Planungsbüro „Orange Edge“ erstellt im Auftrag des bayerischen Bauministeriums nun eine Machbarkeitsstudie, auf welchen Parkplätzen in der Nähe von S-Bahn- und Regional-Bahnhöfen ebenfalls solche „Häuser auf Stelzen“ errichtet werden könnten. Bereits 2020 soll dem Ministerium eine Auswahl von bis zu 40 geeigneten Standorten in Bayern vorliegen, bestätigte ein Ministeriumssprecher. Naturgemäß werden vor allem Ballungsräume untersucht. Unter anderem sollen Eigentumsverhältnisse, Eignung der Flächen, baurechtliche Vorgaben, Lärmschutz und mögliche Wohnqualität geprüft werden. Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) sagte, es gehe auch darum, einen Katalog mit Handlungsempfehlungen für Kommunen und Bahnunternehmen zu entwickeln. Nicht alle Parkplätze gehören der Bahn. In München betreibt die P + R Park & Ride GmbH 38 Anlagen, davon 13 im Umland. In Augsburg unterhalten die Stadtwerke sechs Großparkplätze, in Nürnberg der Verkehrsverbund sogar 131 Park & Ride-Plätze. Bei der Bahn stößt der Vorstoß auf Wohlwollen. „Wir prüfen schon seit einiger Zeit die Möglichkeit, DB-Flächen für Wohnbau zu nutzen“, sagt ein Sprecher. Hintergrund: Die Bahn benötigt dringend bezahlbare Wohnungen für ihre Mitarbeiter. Mit dem Verkehrsministerium ist eine Arbeitsgruppe vereinbart.
Wenn sich ein Parkplatz als geeignet erweist, wäre der nächste Schritt, einen Investor zu finden. Eventuell kommt hier auch die neue staatliche Wohnungsbaugesellschaft BayernHeim infrage, deren Erfolge im Moment noch sehr überschaubar sind.
Eines ist dem Ministerium ganz wichtig: Parkplätze sollen von der Bebauung verschont werden. Das war auch eine Maßgabe am Dantebad: Nur sechs von 111 Parkplätzen für Schwimmbad-Benutzer sind verloren gegangen.
Architekt Florian Nagler sieht die Initiative des Ministeriums positiv, wie er unserer Zeitung sagte. Es gebe „einiges Potenzial“. Allerdings müsse es städtebaulich passen – solche Wohnkomplexe wie am Dantebad seien nur in der Umgebung von Geschosswohnungsbau sinnvoll. München ist derweil auf dem Weg zum nächsten Schritt: Die Grünen im Stadtrat haben beantragt, Lehrerparkplätze an Schulen mit Kitas zu überbauen.