Bauernproteste

Schuld sind wir alle

von Redaktion

DOMINIK GÖTTLER

Es brodelt in der Bauernschaft. Das zeigen die deutschlandweiten Demonstrationen in aller Deutlichkeit. Die Landwirte fühlen sich von der Politik gegängelt und von der Gesellschaft nicht wertgeschätzt. Und es stimmt durchaus: Gerade kleine Bauernhöfe wirtschaften oft mit dem Rücken zur Wand. Schuld daran sind wir alle. Die Gesellschaft. Die Politik. Und ein Stück weit auch die Landwirte selbst.

Lange war der Gesellschaft ziemlich egal, wie ihre Lebensmittel produziert wurden – Hauptsache, es landete genug auf dem Tisch. Doch während mit dem wachsenden Wohlstand die Ansprüche an die heimischen Landwirte Stück für Stück nach oben geschraubt wurden, zog der Supermarktkunde mit seinem Einkaufsverhalten nicht mit. Der Politik ist anzukreiden, dass sie es versäumt hat, den Landwirten bei der Umsetzung einer natur- und tierschonenderen Bewirtschaftungsweise unter die Arme zu greifen. Stattdessen wird etwa jahrelang an einem Tierwohllabel herumgedoktert, bis von einer erwünschten Breitenwirkung keine Rede mehr sein kann. Die Bauernvertreter selbst erweckten in der Vergangenheit immer wieder den Eindruck, neuen Herausforderungen lieber auszuweichen, anstatt den Wandel in ihrem Beruf und die damit verbundenen Schwierigkeiten transparent zu erklären.

Eine wichtige Botschaft der Bauernproteste von gestern ist: Die Bereitschaft zum Dialog, sie ist jetzt vorhanden. Der Verbraucher sollte das Angebot annehmen – und sein Konsumverhalten überdenken. Wer zum Billigfleisch greift, gibt den Landwirten keine Chance, die Ansprüche der Gesellschaft zu erfüllen.

Dominik.Goettler@ovb.net

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