Sie hat Fluggeschichte geschrieben: Die Junkers F13 war 1919 das erste Passagierflugzeug der Welt. 320 der kleinen, silberfarbenen Wellblech-Maschinen wurden damals gebaut. Davon sind heute gerade mal fünf Originale erhalten geblieben: Eines steht im Deutschen Museum in München. Zum 100. Jubiläum des Erstflugs beginnt jetzt eine besondere Ausstellung in der Flugwerft in Schleißheim. Mit einem ganz besonderen Eröffnungsgast: Der einzige F13-Nachbau weltweit, der flugfähig ist.
„Mit der Maschine konnte erst keiner umgehen“, erzählt Dieter Morszek. Schließlich hat die Technik der F13 rein gar nichts mit modernen Standards zu tun. „Sie musste ganz neu eingeflogen werden.“ Vor drei Jahren hat Morszek den Nachbau des Klassikers initiiert. Was sich irgendwie angeboten hat. Schließlich war Morszek früher Eigentümer und Geschäftsführer von Rimowa, der Firma mit den bekannten silberfarbenen Wellblechkoffern. Als Morszek einen Großteil der Firmenanteile abgab, konnte er sich seiner Flugleidenschaft widmen. Und ließ nahe Zürich den Aluminium-Flieger wieder zum Leben erwecken.
Der F13-Nachbau ist superlaut, wenn er durch die Luft knattert. Beim Start qualmt es und riecht nach Benzin. Bis der Flieger ruhig in der Luft liegt, ruckelt und scheppert, schwankt und wankt die Maschine. Der Start: nichts für empfindliche Mägen. Und wunderschön zugleich. Gerade mal vier Personen haben in der kleinen, mit Leder verkleideten Kabine Platz. Sie erinnert an das Innere einer Kutsche. Auch deshalb, weil die Piloten, die im abgetrennten, vorderen Bereich sitzen, kein Dach über dem Kopf haben. Sie und auch die Passagiere gelangen über kleinste Trittbretter direkt auf den Tragflächen zu ihren Plätzen.
„Wie war’s“, fragt Bernd Junkers die Journalisten nach dem Rundflug über die Stadt. Er bekommt nur begeisterte Antworten. Der Enkel von Flugzeug-Pionier und F13-Erfinder Professor Hugo Junkers ist zur Flugwerft nach Schleißheim gekommen, um das besondere Jubiläum und den Start der Sonderausstellung zu würdigen. „100 Jahre Junkers F13“ läuft noch bis zum 1. März in der Außenstelle des Deutschen Museums. Die Ausstellung wartet mit besonderen Exponaten auf, zum Beispiel einem Cockpit-Ausschnitt.
„Die F13 steht für den Anfang des Luftverkehrs“, sagt Werftleiter Gerhard Filchner. Er erinnert daran, dass sie in den frühen Zwanzigerjahren auch vom Flughafen Schleißheim abgehoben hat. Mit ihrer Metallbauweise unterschied sie sich damals von den alten Konstruktionen aus Holz und Stahl. Bis 1932 wurde der Junkers-Klassiker in 60 Versionen in 30 Länder verkauft. „Die F13 war die Mutter aller Verkehrsflugzeuge“, sagt Filchner. Die knatternde Luftkutsche hat bis heute nichts von ihrem Charme verloren.
Alle Infos
zur Ausstellung unter www.deut sches-museum.de/flugwerft/