Moped-Führerschein mit 15?

von Redaktion

VON CLAUDIA SCHURI

München – Dürfen Jugendliche bald mit 15 Jahren Moped fahren? Der Bundestag hat den Weg frei gemacht, um das Mindestalter für den Moped-Führerschein von 16 Jahren auf 15 Jahre zu senken. Jedes Bundesland kann entscheiden, ob es die Altersgrenze ändert. „Ich persönlich stehe dem Moped-Führerschein ab 15 sehr aufgeschlossen gegenüber“, sagt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Vor einer Entscheidung müsse man aber das Gesetzgebungsverfahren des Bundes abwarten. „Der Nutzen eines abgesenkten Mindestalters muss genau mit einem möglichen höheren Unfallrisiko abgewogen werden“, erklärt Herrmann. Einerseits müsse das Mobilitätsbedürfnis junger Leute berücksichtigt werden, andererseits haben die Verkehrssicherheit „höchste Priorität“: „Da werden wir keine Abstriche machen.“

Derzeit dürfen Teenager mit 15 Jahren nur Mofas mit einer Maximalgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde fahren. Dazu benötigen sie eine Prüfbescheinigung, für die sie eine Theorieprüfung bestehen müssen.

„Beim Moped-Führerschein ist die Ausbildung umfangreicher“, sagt Georg Meier, Fahrlehrer aus Wolfratshausen und Vorstandsmitglied im Landesverband Bayerischer Fahrlehrer. Wer die Tempo 45 schnellen Mopeds fahren möchte, braucht einen Führerschein der Klasse AM. „Dafür muss man in einer praktischen und einer theoretischen Prüfung zeigen, dass man die Verkehrsregeln kennt, sicher unterwegs ist und den Umgang mit dem Gerät beherrscht“, erklärt Meier. Mit dem Rollerführerschein können auch drei- oder vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge, die auf 45 Stundenkilometer gedrosselt sind, gesteuert werden. „Vor allem im Winter ist das attraktiv“, sagt Meier. Eine Altersabsenkung begrüßt er. „Gerade im ländlichen Bereich ist die Mobilität für die Jugendlichen sehr wichtig“, sagt er. „Die Führerscheine sind heiß begehrt.“ Seiner Erfahrung nach seien die meisten 15-Jährigen verantwortungsbewusst genug dafür.

Ähnlich sieht es der ADAC: „Die Jugendlichen von heute sind schon sehr reif“, sagt Stefan Dorner, Sprecher beim ADAC Südbayern. Der Verband kritisiert jedoch, dass es keine bundesweit einheitliche Regelung geben wird. „So bekommen wir einen unübersichtlichen Flickenteppich“, befürchtet Dorner. Womöglich dürften 15-Jährige in einem Bundesland mit ihren Mopeds fahren, im Nachbarland aber nicht mehr.

„Grundsätzlich positiv“ steht dem Moped-Führerschein ab 15 auch Manfred Raubold, Geschäftsführer der Landesverkehrswacht Bayern, gegenüber. „Oft reicht das ÖPNV-Angebot nicht aus, damit die Jugendlichen zu ihrem Ausbildungsplatz kommen“, sagt er. Was ihm aber wichtig ist: „Die Jugendlichen müssen begleitet werden.“ Er könnte sich zum Beispiel Aufklärungsarbeit an Schulen vorstellen.

Bei der Polizei wartet man erst einmal die Entscheidungen der Politik ab: „Sollte die Neuregelung eingeführt werden, machen wir uns Gedanken, wie wir es konzeptionell umsetzen“, erklärt Stefan Sonntag vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd.

Kritik gibt es vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). In den ostdeutschen Ländern, in denen gerade ein Modellversuch durchgeführt wird, seien mehr Jugendliche in Verkehrsunfälle verwickelt gewesen als in den anderen Bundesländern, gibt der DVR zu bedenken.

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