Susanne Ebelings (52) kleine Tochter schläft immer noch schlecht. Sie hat Angst – auch heute noch, zwei Jahre nachdem Einbrecher in die Doppelhaushälfte in Ramersdorf eindrangen. Psychologen wissen: Die Opfer solcher Taten leiden sehr, die Verarbeitung dauert lang. Umso mulmiger wird es jetzt vielen Münchnern. Jetzt, im Herbst, wo es früh dunkel wird. Jetzt, zu Beginn der Einbruchshochsaison. Die Polizei ist alarmiert und startet eine Kampagne zur Vorbeugung.
Auch bei Susanne Ebeling haben die Täter die düstere Jahreszeit genutzt. Es war Donnerstagnachmittag, draußen dämmerte es bereits, im Garten von Ebelings Doppelhaushälfte lag der erste Schnee. Die Ärztin wollte gerade aufbrechen, um ihre damals siebenjährige Tochter vom Sport abzuholen. Kurz bevor sie losfuhr, beschlich sie ein ungutes Gefühl. „Ich denke, man spürt, wenn man beobachtet wird“, sagt sie heute. Als die 52-Jährige wenig später mit ihrer Tochter zurückkam, wurde aus der bösen Vorahnung bittere Realität. Einbrecher hatten die Terrassentür aus den Angeln gehoben. Die Diebe hatten mehrere Zimmer durchwühlt. „Der Schmuck meiner Großmutter war weg. Er hatte großen emotionalen Wert für mich“, erzählt Ebeling und senkt traurig den Blick. „Wir haben danach die Sicherheitsvorkehrungen erhöht und spezielle Türen und Fenster einbauen lassen“, erzählt sie.
Die 52-Jährige selbst hatte keine Angst, auch am Tag des Einbruchs nicht. Aber ihre Tochter traut sich bis heute nicht, das Haus allein zu betreten. Und wenn sich die Nacht über die Stadt senkt, wird das Mädchen unruhig. Die Mutter sagt: „Ich kämpfe darum, dass es ihr besser geht. Ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauert.“
Ähnliche Erfahrungen machen viele Menschen. Der Kriminologin Ursula Gasch zufolge werten Einbruchsopfer die psychischen Folgen oft schlimmer als den materiellen Schaden. Fünf bis zehn Prozent würden an einer posttraumatischen Belastungsstörung erkranken.
Was immerhin Hoffnung macht: Heuer bemerkt die Polizei bisher einen Rückgang im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Trotzdem gibt es immer noch durchschnittlich drei Einbruchsversuche pro Tag. Jeder zweite Versuch ist erfolgreich. „Für Wohnungseinbrüche kann man bis zu zehn Jahre ins Gefängnis wandern. Wir hoffen, dass das die Diebe abschreckt“, sagt Stefan Kastner, Leiter der Abteilung Verbrechensbekämpfung. Die Gangster, die bei Ebeling eingestiegen sind, wurden bis heute nicht geschnappt.