„Es geht aber nichts voran“

von Redaktion

Eine Kasse und zwei Parteien blicken auf Patientenversorgung

München – Seit einem Jahr ist die Koalition aus CSU und Freien Wählern in Bayern gemeinsam am Ruder. Für die Krankenkasse Barmer war das ein Anlass, Bilanz über deren gesundheitspolitisches Wirken zu ziehen. Das Urteil fiel gestern im Münchner Presseclub gemischt aus.

Das Kernthema war die Versorgung der Patienten. Es sei gut, dass die Staatsregierung „viel Geld in die Hand nimmt, um die Niederlassung von Ärzten im ländlichen Raum zu stärken“, sagte Barmer-Landes-Chefin Claudia Wöhler. Doch während es dort oft zu wenige Ärzte gebe, seien Ballungsräume teils überversorgt. „Wir brauchen nicht mehr, sondern zielgenaue Versorgung“, folgerte die Kassen-Chefin. Die Frage sei: „Welches medizinische Personal brauche ich wo? Und wie verzahne ich das am besten mit den Kliniken?“ Die Versorgung in Praxen und in Krankenhäusern müsse enger ineinandergreifen.

Zudem sei eine Strukturreform der Krankenhauslandschaft unumgänglich, sagte Wöhler. Dies bedeute zwar nicht die flächendeckende Schließung von Krankenhäusern. Doch alleine, dass hierzulande im internationalen Vergleich überproportional viele Pflegekräfte im Einsatz seien und trotzdem Personalmangel herrsche, zeige eine „Fehlverteilung in Bayern und Deutschland“. Dass der Freistaat dabei mit rund 360 Krankenhäusern sogar noch die höchste Klinik-Dichte aller Bundesländer habe, „ist nicht mehr zeitgemäß“, sagte Wöhler. Auch, weil sich durch Zentralisierung und Spezialisierung am Ende auch die Qualität der Patienten-Versorgung verbessere.

Auch Bernhard Seidenath, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU im Landtag, sprach sich für eine stärkere Verzahnung von ambulanten und stationären Versorgungsstrukturen aus. Alleine um dem Mangel an Ärzten zu begegnen, sei es nötig, „Kapazitäten zu bündeln“. Was jedoch die bessere Verteilung von Pflege-Personal auf weniger Kliniken betrifft, gab Seidenath sich skeptisch. „Wenn sie in Garmisch ein Krankenhaus schließen, ziehen die Pfleger doch nicht nach München.“ Er betonte zudem, Bayern betreibe bereits eine „sehr moderne und zielführende Krankenhausplanung“.

Ruth Waldmann widersprach ihrem CSU-Kollegen. „Immer zu sagen: ,Die Landkreise müssen sich mal Gedanken machen‘, das ist für mich keine Krankenhausplanung“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Auch was die Verzahnung der Versorgung durch Praxen und Kliniken betrifft, sei ihr aufgefallen: „Wir sind uns da immer alle einig. Es geht aber nichts voran.“ SEBASTIAN HORSCH

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