Dingolfing – Für Karl Huber geht es bei dem Prozess um alles. Wenn er vor Gericht nicht Recht bekommt, wird er aus dem barrierefreien Haus ausziehen müssen, in dem er wohnt. Das wäre für den 62-Jährigen deshalb so schlimm, weil er an Multipler Sklerose leidet. Seit Kurzem ist er auch auf einen Rollstuhl angewiesen. Dass er nun auch noch enorme Geldsorgen hat, verdankt er einem Betrüger, der Hubers Gesundheitszustand skrupellos ausnutzte (wir hatten berichtet).
Er war dem 30-Jährigen beim Gassigehen begegnet. Der Mann bot Hilfe an, als Hubers Hund Woody wegrannte und er nicht hinterherkam. Die beiden blieben in Kontakt, der junge Mann bot ihm mehr und mehr Hilfe an. Er kaufte ein, ging mit dem Hund Gassi. Huber vertraute ihm bald so sehr, dass er ihm auch seine EC-Karte aushändigte. Ein folgenschwerer Fehler. Zwischen Februar 2016 und November 2017 hob der 30-Jährige 181 Mal Geld von seinem Konto ab. Erst kleinere Beträge, dann immer größere. Später kaufte er mit der Karte auch im Internet ein. Erst als er eine Umbuchung von 20 000 Euro auf sein Konto veranlasste, wurde die Volksbank misstrauisch und wies die Buchung zurück. Doch nie kontaktierte sie Karl Huber, der dort seit 40 Jahren ein Konto hatte. Genau das wirft der 62-Jährige seiner Bank vor. „Die haben doch auch eine Sorgfaltspflicht.“
Die Bank meldete sich erst bei Huber, als sein Konto leer war. Mehr als 270 000 Euro hatte der 30-Jährige da bereits verprasst – großteils für Drogen. Der Mann wurde dafür im August bereits zu drei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Doch Karl Huber hilft das nicht weiter. Er hat seine gesamte Altersvorsorge verloren – das Geld hatte er größtenteils geerbt.
Er hat sich einen Anwalt genommen und klagt morgen vor dem Landgericht Landshut gegen die Volksbank. Der Streitwert liegt bei 110 000 Euro. Das Geld würde Huber einen würdigen Lebensabend ermöglichen. Ohne die Hilfe des Weißen Rings wäre der 62-Jährige schon jetzt in einer großen Notlage. Die Opferhilfe-Organisation hat ihm 2500 Euro überwiesen, damit er erst mal über die Runden kommt. Auch seine Rechtsschutzversicherung hat ihm bereits uneingeschränkte Unterstützung zugesichert. Und trotzdem hängt für Karl Huber nun alles von dem Ausgang des Prozesses ab. Denn ohne das Geld der Bank wird er aus seinem Haus ausziehen müssen.
Noch deutet sich nicht an, dass es zu einem Vergleich kommen wird. Bisher hat die Volksbank alle Vergleichsgespräche mit Hubers Anwalt kategorisch abgelehnt. Sie sieht bei ihm die Schuld dafür, dass er um so viel Geld betrogen wurde. Auch ein außergerichtliches Schlichtungsverfahren vor dem Bundesverband Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken endete vor einigen Wochen ergebnislos. Der Prozess ist für Karl Huber nun die letzte Hoffnung.