München – Er hatte schon viele Trümpfe in der Hand: Stefan Aldenhoven (52) ist Vorsitzender der Schafkopfschule, die dieses Jahr ihr 15-jähriges Bestehen feiert. Der Verein mit Sitz in München ist Kartlern in ganz Bayern bekannt: Die Mitglieder haben heuer zum ersten Mal ein Schafkopfturnier auf der Wiesn organisiert und bieten Kurse an. Im Interview gibt Stefan Aldenhoven Tipps für alle Schafkopfneulinge und verrät, welche Fehler viele Kartler machen.
Herr Aldenhoven, muss man den Bayern wirklich Schafkopfen beibringen?
Früher wurden die Regeln in der Familie, der Dorfgemeinschaft oder dem Sportverein weitergegeben. Das ist heute oft anders – und nur durch Zuschauen versteht man das Spiel auch nicht. Darum bieten wir Kurse für Anfänger, Fortgeschrittene und nächstes Jahr auch für Turniereinsteiger an.
Wie haben Sie selbst das Spiel gelernt?
Unser Sportlehrer hat mir das Schafkopfen im Skilager beigebracht – es hat mich sofort in den Bann gezogen.
Wie sieht es heute mit dem Nachwuchs aus?
Auf den Turnieren ist der Altersdurchschnitt bei den Spielern schon hoch. Deshalb finden wir es super, dass es inzwischen an mehreren Schulen Schafkopfprojekte gibt. Auch bei unseren Lehrgängen, die meist ausgebucht sind, machen viele junge Kartler mit. Ich denke, dass es zu einer Schafkopf-Renaissance kommt – obwohl wir natürlich die Konkurrenz zu anderen Hobbys und zu Smartphone und Co. merken. Auf der anderen Seite profitieren wir auch vom Internet.
Inwiefern?
Die Schafkopf-Online-Plattform Sauspiel hat über 660 000 Mitglieder, da tummeln sich immer Mitspieler. Auch für fortgeschrittene Anfänger ist es eine gute Gelegenheit, Mechanismen einzuüben und Routine beim Spielen zu bekommen.
Kann jeder das Schafkopfen lernen?
Ja, wir haben es bisher noch jedem beigebracht, der Lust darauf hatte. Ideal ist, wenn man ein gutes bildhaftes Vorstellungsvermögen und eine gewisse Zahlenaffinität hat. Vor allem ist aber das regelmäßige Üben wichtig.
Warum?
Schafkopf ist ein herausforderndes Spiel. Es ist wie beim Autofahren: Am Anfang gibt es wahnsinnig viele Dinge, die man beachten muss. Aber irgendwann automatisieren sich gewisse Vorgänge und man muss nicht mehr darüber nachdenken. Das Schöne ist, dass es sehr viele Varianten und Möglichkeiten gibt, wie die Spiele verlaufen können. Nach oben gibt es keine Grenzen, man kann sich immer verbessern.
Haben Sie Tipps dafür?
Viele Kartenspieler stagnieren auf einem Level, weil sie immer mit den gleichen Leuten spielen. In der Runde kennt jeder schon die Spielweise, die Fehler und die Risiko-Neigung der anderen. Deshalb profitieren Fortgeschrittene davon, wenn sie auch einmal mit anderen und besseren Spielern karteln.
Apropos Risiko: Raten Sie eher zur Sicherheit oder dazu, auch einmal etwas zu wagen?
Natürlich lernt man mit der Erfahrung, seine Gewinnwahrscheinlichkeiten besser einzuschätzen. Viele machen den Fehler, sich von einem einzigen ungünstigen Spielverlauf verunsichern zu lassen. Aber es ist auf Dauer keine gute Taktik, nur die vermeintlich sicheren Spiele zu machen. Dann nutzt man seine Karten nicht gut aus.
Gibt es weitere häufige Fehler?
Viele Spieler kann man lesen wie ein offenes Buch. Dabei ist es wichtig, sich nicht anmerken zu lassen, ob das Spiel gut oder schlecht läuft: Man muss immer gleich flott und gleich selbstbewusst spielen. Auch mit schlechten Karten ist es mit etwas Glück möglich, Spiele zu gewinnen.
Sonst wird es teuer, oder?
Natürlich hat es einen Reiz, um Geld zu spielen. Aber niemand verspielt beim Schafkopfen sein Hab und Gut. Den Tarif legt jede Runde selbst fest. Beim gängigen Wirtshaustarif ist es so, dass an einem Abend maximal circa 20 Euro an Gewinn oder Verlust drin sind.
Gibt es noch genügend Wirtshäuser, in denen gekartelt werden darf?
Wir haben auf unserer Internetseite eine Liste mit Gaststätten, in denen Kartler willkommen sind. Wer sucht, der findet ein Lokal. Aber natürlich waren es früher mehr: Immer wieder schließen alteingesessene Gaststätten oder werden durch Restaurants ersetzt, wo für Kartenspieler kein Platz mehr ist.
Zum 15-jährigen Jubiläum
veranstaltet die Schafkopfschule am Sonntag, 24. November, ab 15 Uhr ein Turnier im Bürgerhaus Karlsfeld (Kreis Dachau). Anmeldungen sind unter Telefon 0 17 3/9 40 84 50 möglich. Weitere Infos zur Schafkopfschule unter www.schafkopfschule.de.