Brand, Preller oder Torkler

von Redaktion

München – Wer mal nachschlagen will, welche vielfältigen bairischen Ausdrucksweisen es für den Rausch gibt, der ist beim Bayerischen Wörterbuch richtig. Soeben ist der dritte Band dieses Langzeit-Nachschlagewerks erschienen, der zum Alkoholkonsum der Bayern eine breite Ausdrucksweise bezeugt: Brand, Bummel und Dampf beispielsweise. Oder auch: Pranasterer, Preller und (besonders hübsch) Torkler.

Die in Bayern sehr breite Dialektforschung – Spötter sagen, es gebe mehr Forscher als aktive Bairisch-Sprecher – ist somit um ein Standardwerk reicher. Wie schon bei den Vorgängerbänden steht das neue Lexikon in der Tradition des legendären Schmeller: Das Sprachgenie Johann Andreas Schmeller (1785–1852) hatte 1827 den ersten Band seines Bayerischen Wörterbuchs vorgelegt. 175 Jahre später erschien der erste Band einer kompletten Neuausgabe. Der erste Band reichte von A bis Bazi, der zweite von Be bis Boxhamer. Der dritte Band, der 10 000 Stichwörter umfasst, führt nun weiter von Prä bis törmisch. Man mag hier ins Stutzen geraten. Ist den Herausgebern das Alphabet durcheinandergeraten? Nein, die Kommission für Mundartforschung, die bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften angesiedelt ist, geht vielmehr streng nach dem Bayern-Alphabet vor. Demnach ist das P in der Mundart vom B nicht zu trennen, sagt Andrea Schamberger-Hirt, die seit März dieses Jahres als Nachfolgerin des Bairisch-Experten Anthony Rowley das Bayerische Wörterbuch verantwortet. Ähnlich ist es mit dem Buchstabe T – der im Bairischen wie ein D verwendet wird.

Wie schon die Vorgängerbände dokumentiert das neue, fast 700 Seiten starke Nachschlagewerk die reichhaltige bayerische Alltagskultur. Sowohl dialekttypische Wörter wie Brächse (Messer) und Brein (Hirse) als auch volkstümlich gewordene Fremdwörter wie Chaise (Kutsche, Kinderwagen, abwertend Frau) oder Charivari (Schmuckgehänge) sind berücksichtigt. Die Forscher schöpfen aus Befragungen von Dialektsprechern – eine unerlässliche Feldforschung. Eine Sprachkarte zeigt, wo Fronleichnam (auch) als Antlaßpfinztag oder Kränzlein(s)tag bekannt ist – beispielsweise im Oberland und im Chiemgau.

Nur einen Haken hat die Sache: Das Buch ist unerschwinglich (229 Euro, Verlag de Gruyter). Es gibt aber einen Trick: Auf der Homepage www.bwb.badw.de findet man nach einigen Klicks ein komplettes pdf. Übrigens: Das ganze Wörterbuch wird zehn bis zwölf Bände umfassen. Ende 2060 soll der letzte Band erscheinen. „Mit etwas Glück erlebe ich das noch“, unkt Projektchefin Andrea Schamberger-Hirt (46). DIRK WALTER

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