Handys an Schulen: Regeln statt Verbot

von Redaktion

An Bayerns Schulen gilt das strengste Handyverbot in Deutschland. Vor einem Jahr startete ein Modellversuch, der den Schulen erlauben soll, eigene Regeln festzulegen. Einige wie die FOS/BOS in Erding öffneten sich mit Bedacht für Smartphones. Das Gymnasium Miesbach geht einen ganz anderen Weg.

VON KATHRIN BRACK

Erding/Miesbach – Die Vereinbarung hängt in jedem Klassenzimmer. Sie regelt ganz klar, wie die Berufliche Oberschule Erding mit digitalen Speichermedien, also mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und dergleichen umgeht. Darin steht, wann Handys privat genutzt werden dürfen: in den Pausen. Und unter welchen Bedingungen sie im Unterricht eingesetzt werden: nach Aufforderung durch den Lehrer.

Die Schule hat sich die Regeln selbst gegeben, gemeinsam mit Lehrern, Schülern und Eltern. Sie ist Teil des zweijährigen Modellversuchs „Private Handynutzung an Schulen“ des Kultusministeriums. 135 Schulen in Bayern erarbeiten seit einem Jahr, wie Schüler ihre Handys privat in der Schule – und zwar in den Pausen – nutzen können, ohne dass sie zu sehr abgelenkt werden.

Auf Basis der Erkenntnisse aus der Praxis könne eine mögliche Neuregelung ausgelotet werden, heißt es von Seiten des Kultusministeriums. Dazu werden die teilnehmenden Schulen regelmäßig befragt, die nächste Erhebung findet diesen Monat statt. Nach Ablauf der beiden Jahre wolle man entscheiden, ob man bei der aktuellen Regelung bleibe oder ob es eine Anpassung geben soll.

Bislang hat Bayern die striktesten Vorgaben in Sachen Handynutzung an Schulen: Zu Unterrichtszwecken sind Smartphones zwar erlaubt, die private Nutzung ist aber streng verboten. So steht es im Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz. In Artikel 56 Absatz 5 heißt es: „Im Schulgebäude und auf dem Schulgelände sind Mobilfunktelefone und sonstige digitale Speichermedien, die nicht zu Unterrichtszwecken verwendet werden, auszuschalten.“

Die FOS/BOS Erding ist eine Referenzschule für Medienbildung. Schulleiter Jens Baumgärtel und sein Kollegium wollen ihre Schüler gezielt auf die Zeit nach der Schule vorbereiten. „Unsere Regeln sollen abbilden, was die Schüler erwartet, wenn sie später in die Betriebe gehen“, sagt der Direktor. „Dort ist oft auch geregelt, wann und wie man sein privates Handy nutzen darf.“

Die Regeln seien allerdings nicht das Wichtigste. „Entscheidender sind für uns die begleitenden Maßnahmen, die wir in den Unterricht integrieren.“ Dazu gehören die Themen Cyberbullying, also Mobbing im Internet, das im Fach Englisch besprochen wird. Das Thema Datenschutz in Deutsch. Oder Statistiken zur Handynutzung in Mathe. Der Umgang mit der Technik und seine sozialen Folgen ziehen sich durch den kompletten Lehrplan.

Klare Regeln hat auch das Gymnasium Miesbach, allerdings geht man dort einen ganz anderen Weg: Seit den Osterferien sind Handys vom gesamten Schulgelände verbannt, auch der Pausenhof und der Schulpark sind eine handyfreie Zone. Gegenwind? Im Gegenteil. „Im Grunde erfreut sich das bei allen großer Beliebtheit“, sagt Schulleiter Rainer Dlugosch. Nicht nur Lehrer und Eltern, sondern auch die Schüler selbst seien froh, dass die Verhältnisse eindeutig sind „und es nicht wieder 25 Ausnahmefälle gibt“.

Die Schulfamilie reagierte mit der Verschärfung auf Fälle von Mobbing, aber auch den unkontrollierten, unsachgemäßen Gebrauch von Smartphones. Das Schulforum hat die Regeln gemeinsam vereinbart. Wer dagegen verstößt, muss sein Mobiltelefon abgeben – die Eltern können es am nächsten Tag abholen. „Das ist bisher aber sehr, sehr selten vorgekommen“, sagt Dlugosch.

Ein Widerspruch zum digitalen Konzept sei die Übereinkunft nicht: Die Schule hat WLAN, in jedem Klassenzimmer steht ein Laptop. „Wir wollen die Schüler zu einem sinnvollen Umgang mit den digitalen Medien erziehen.“ Eine kleine Ausnahme erlaubt sich die Schule aber: „Wenn ein Schüler wirklich dringend daheim anrufen muss, dann muss er halt seinen Lehrer fragen.“

Die Schüler sollen einen sinnvollen Umgang mit Smartphone und Co. lernen

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