Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Prof. Wilhelm Liebhart, 68, aus Altomünster ist ein bekannter deutscher Historiker, der die Geschichte des östlichen Schwabens und westlichen Oberbayerns erforschte. Er ist zudem der Leiter des Museums Altomünster.
Was ist das Besondere an Altomünster?
Altomünster ist ein beschaulicher Ort mit 4000 Einwohnern, der sich langsam modernisiert und maßvoll wächst. Die Gemeinde selber hat 8264 Einwohner. Trotzdem sind alle Einrichtungen der Infrastruktur, die man benötigt, vorhanden.
Altomünster ist ein sehr geschichtsträchtiger Ort. Ist die Geschichte dort hautnah erlebbar?
Man kann sich durchaus auf die Spuren der Geschichte begeben. Altomünster ist seit über 1200 Jahren ein Klosterort und seit 600 Jahren ein Marktort. Deshalb haben wir eine alte Doppel-Klosteranlage, die durch eine Rokoko-Klosterkirche getrennt ist. Wir haben außerdem zwei alte Brauereigasthöfe und viele unterirdische Brauereikeller, weil Altomünster mal vier Brauereien hatte. Das Bahnhofsgebäude ist von 1913 und im renovierten Zustand.
Wohnen Sie schon seit Anfang an in Altomünster?
Ja, ich bin geborener Altomünsterer. Meine Eltern kamen nach dem Krieg von München hierher. Für mich ist der Markt meine Heimat, das ist klar.
Für was ist Altomünster bekannt?
In erster Linie für die große Kloster- und Pfarrkirche, denn das ist der letzte bedeutende Barockbau auf altbayerischem Boden. Mit dieser Kirche hört in Bayern das Rokoko, also eine Spätform des Barocks, auf. Nach Dachau hat Altomünster im Landkreis den stärksten Tagestourismus.
Liegt das nur an der Kirche?
Nein, denn wir haben neben der Kirche ja noch zwei Museen. Einmal ein Klostermuseum und ein kleines Brauereimuseum.
Gibt es viele Zuagroaste, die sich in Altomünster niederlassen?
Ja, der Zuzugsdrang ist stark, aber Altomünster kann nicht den entsprechenden Wohnraum vorhalten. Man müsste noch stärker baulich verdichten. Durch die S-Bahn ist der Druck weiter gestiegen. Bei uns sind die Mieten und die Lebenserhaltungskosten sehr günstig.
Gibt es viel Gewerbe in Altomünster?
Gewerbeansiedlungen gibt es eher weniger. Wir haben zwar ein großes Gewerbegebiet, aber da siedeln eher ortsansässige Betriebe oder Betriebe aus den Nachbargemeinden an.
Was ist Ihr Lieblingsplatz in Altomünster?
Das sind natürlich mein Museum und die Pfarrkirche. Interview: Leyla Yildiz