Passion 2020: Jesus als Mensch

von Redaktion

In einem halben Jahr starten die Oberammergauer Passionsspiele. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Spielleiter Christian Stückl verrät: Die Passion 2020 wird sich deutlich stärker auf die Lebensgeschichte Jesu konzentrieren.

VON CLAUDIA MÖLLERS

München/Oberammergau – Den Segen von Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm haben die Oberammergauer Passionsspiele – jetzt können die Vorbereitungen für die Passion 2020 in die heiße Phase treten. Spielleiter Christian Stückl übergab gestern eine erste Textfassung im erzbischöflichen Palais Holnstein in München und kündigte an: „Am 7. Dezember fangen wir mit den Proben an.“

Ein gutes halbes Jahr ist jetzt noch Zeit, um das Spiel vom Leben und Sterben Jesu auf die Oberammergauer Bühne zu bringen – getreu des Pestgelübdes von 1633. Wenn am 16. Mai die Passion Premiere hat, wird sich das fünfeinhalb- bis sechsstündige Spiel in größerem Maße um den Menschen Jesus drehen, kündigte Spielleiter Christian Stückl an. „Ich will deutlicher machen, warum er gestorben ist, warum man Jesus ans Kreuz geschlagen hat“, sagte er. Stückl will daher zentrale Aussagen der Bergpredigt und der Seligpreisungen in den Text einbauen. Die Zuwendung Jesu gerade zu den Menschen, die am Rande stehen, will er zeigen.

Mit größter Sensibilität arbeitet Christian Stückl daran, dass weder Szenen noch Text auch nur den kleinsten Raum für judenfeindliche Auslegung haben. In der kommenden Woche trifft er sich eigens mit Vertretern jüdischer Organisationen, um über schwierige Textstellen zu diskutieren.

Teil der Passion werden im kommenden Jahr wieder die lebendigen Bilder sein, in denen Szenen aus dem Alten Testament auf die Bühne gebracht werden. Doch auch hier wird es Neuerungen geben: Der Sprecher wird abgeschafft. „Die Texte waren mir zu pastoral“, sagte Stückl.

Kardinal Marx dankte dafür, dass die Oberammergauer „die größte Geschichte aller Zeiten“ wieder auf die Bühne bringen. „Gott kann zugänglich gemacht werden über die Geschichte des Menschen Jesus.“ Erstmals wurde der Segen für die Passion in Form einer ökumenischen Andacht vollzogen. Eine Neuerung, für die sich der evangelische Landesbischof Bedford-Strohm ausdrücklich bedankte. „Es gibt keinen katholischen Christus, keinen evangelischen Christus und keinen orthodoxen Christus – es gibt nur einen Christus“, sagte er. „Und der war Jude“, ergänzte Kardinal Marx. Und schon entwickelte sich eine geistreiche theologische Debatte zwischen Stückl, Marx und Bedford-Strohm, der auch die Jesus-Darsteller Frederik Mayet und Rochus Rückel sowie „Maria“ Eva-Maria Reiser gespannt folgten. Auch Oberammergaus Bürgermeister Arno Nunn und der theologische Berater der Passionsspiele, der emeritierte Pastoraltheologe Ludwig Mödl, spitzten die Ohren.

Schon jetzt ist das Interesse an der Passion 2020 groß – weltweit. Kardinal Marx erzählte, dass er bei der Amazonas-Synode in Rom von Timothy Dolan, dem Kardinal von New York, auf die Passionsspiele angesprochen worden sei: „Er möchte kommen.“ Bedford-Strohm berichtete, dass auch aus evangelischen Gemeinden bereits Busfahrten organisiert würden. Die Kirchen stellten sich immer neu die Frage, wie die starke Botschaft des Glaubens lebendig werden kann. Eine wichtige Erkenntnis sei: durch Beteiligung. Das stellten die Oberammergauer mit ihrer Passion immer wieder unter Beweis. Hier steht fast die Hälfte der gut 5000 Einwohner auf der Bühne. „Wenn man auf diese alte Tradition schaut, merkt man, wie viel Kraft darin steckt. Die Oberammergauer zeigen das alte Geschehen in einer Form, die zu uns passt und authentisch ist.“ Die Passion erzähle die Geschichte Jesu in einer Art und Weise, die die Menschen weltweit erreiche.

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